Bela B. ist kein Wortdrechsler, Satzschleifer oder Silbengoldschmied wie ein Jochen Distelmeyer, Gisbert zu Knyphausen, Nils Frevert oder Nils Koppruch. Der 1962 in Berlin als Dirk Albert Felsenheimer zur Welt gekommene Sänger, Texter, Gitarrist, Drummer, Synchronsprecher, Mitwirkende an Hörbüchern und Schauspieler setzt auf die Direktheit der Sprache, bebettet in gradlinigen Rock. Wer sich nach Tiefgründigkeit sehnt, nach Gesellschaftskritik, sozialen Lösungsansätzen, dass jemand sein Herz bluten lässt und einen Seelestriptease vollzieht oder mit Kodierungen und Verklausulierungen fordert, der wird mit
Code B keinen Freund finden. Belas Codes sind einfach zu entschlüsseln, denn das Mitglied der Ärzte setzt auf überschaubare Akkorde, ungeschönter Power-Pop, auch mal Schweinerock, Beat, Rockabilly, Surfsound und Punk-Rudimente. Dabei macht der Fan von Horrorfilmen - Bela benannte sich dem großen Schauspieler Bela Lugosi - nicht den Fehler, die Erfolgsrezepte der Ärzte anzuwenden.
Code B ist ein Soloalbum, das Belas persönliche Handschrift trägt, der sich gleich im ersten Song Graf „Rockula“ nennt. Man kann dahinter ein Rollenspiel vermuten, auch weil Bela sich auf den vielen Photos im Booklet des aufwendig aufgemachten Digipaks mit Maske zeigt. Doch die Maske zeigt sein Gesicht, als wolle er sagen: Ich kann mich nicht verstecken. So singt er in „Geburtstagsleid“ von Beziehungen, handelt in „Alter Arschloch Liebe“ ein ewiges Pop-Thema ab, Sex kommt im ganz und gar nicht moralinsauren „Onenightstand“ natürlich auch vor und die eigene Vergangenheit wird in „Als wir unsterblich waren“ auch nicht ausgeklammert. Bela, nicht nur in Deutschland bekannt wie ein bunter Hund, hat natürlich ein paar Gäste geladen. Chris Spedding ist in zwei Songs zu hören, doch sein Einfluss auf das Gitarrenspiel von Bela zieht sich durch das ganze Album. Emanuelle Seigner, Ehefrau von Roman Polanski und selber Schauspielerin (
Frantic,
Bitter Moon singt in dem ein wenig nach Nick Cave klingen „Liebe und Benzin“- sie englisch und er deutsch. Musikalisch klar das stärkste Lied, denn
Code B wird zumeist von der Kraft der Gitarren dominiert, da gehen all die Samples, Keyboards, Glockenspiel und Ukulele ein bisschen unter. Völlig ungewöhnlich für ein Album ist, dass die besten Lieder zum Ende kommen, dort, wo normalerweise das Füllmaterial landet.
Code B sollte man mal von hinten nach vorne hören... -
Florian Brettschnyder
Bela B legt nach "Bingo" sein zweites Soloalbum vor. Genug kreative Energie abseits der Hauptband scheint der Ärzte-Schlagzeuger jedenfalls zu haben, denn er tobt sich ordentlich aus. Vom rockigen Partykracher "Ninjababypowpow" über das NDW-inspirierte "Hilf dir selbst" bis zu "Onenightstand", das als Bluesnummer mit wimmernder Slidegitarre daherkommt, switcht der Berliner elegant durch die Genres. Für "Bobotanz" entlehnt Bela B außerdem ein Häppchen Sound von Manu Chaos Klassiker "Bongo Bong" und zwinkert parallel seinem Hamburger Kollegen Olli Schulz zu, in dessen Video zu "Tanz den Bibo" er selbstironisch als versnobter Rockstar auftrat. Überhaupt ist Humor erneut ein wichtiges Thema, Albernheiten und Schüttelreime gehören schließlich genauso zum Herrn der Finsternis wie schwülstige Vampirromantik und ein gut entwickeltes Selbstbewusstsein. Dass er das zu recht hat, beweist er auch mit diesem Album. (es)