Als ich zum Zug rannte, hatte ich mich in einem schnellen Abstecher in der Leipziger Bahnhofsbuchhandlung nach kurzem Blick auf den Klappentext und nach meinem Bauchgefühl für diesen schwedischen Roman Niklas Ekdals entschieden und damit einen großartigen Glückstreffer gelandet. Ekdal ist Polit-Redakteur, renommierter Journalist und legt mit 'Code 1658' sein Thriller-Debut vor, bereits 2008 in Schweden erschienen:
Während sich ein mit radioaktivem Material ausgestatteter Frachter auf dem Weg nach Schweden befindet, werden dort innerhalb kürzester Zeit frühere Regierungsbeamte bestialisch nach scheinbar mittelalterlichen Methoden gefolert und ermordet. Während die Polizei in ihren Ermittlungen von einem islamistischen Terror-Anschlag ausgeht, wird die sturköpfige Kriminalbeamtin Johanna von dem Fall abgezogen, da sie ihre anderslautenden Ermittlungen zu hart verteidigt. Im Fadenkreuz der Ermittlungen steht Felix, homosexueller Liebhaber eines der Mordopfer und zum Islam konvertierter Szene-Guru der Modebranche, da Hinweise auf ihn deuten. Doch scheint er unschuldig und geht eigenen Hinweisen nach, die ihn auf eine Serie von schwedischer Katastrophen der letzten 300 Jahre führen. Die Wege der beiden kreuzen sich und gemeinsam entdecken sie bei der Verfolgung von Hinweisen seltsame Spuren in uralten Gemälden des Künstlers Ehrendahl, die auf eine Verschwörung deutet, die erst in Kürze Schweden in eine Katastrophe führen soll.
Niklas Ekdal ist mit seinem erstaunlichen Debut ein wunderbarer Verschwörungsthriller gelungen, der von der komplexen und vielschichtigen Handlung und den ehrlichen und authentisch wirkenden Charaktären lebt. Zugleich führt er interessant wichtige Momente der schwedischen Geschichtsschreibung an und erläutert im Kontext der Handlung politische Szenarien des früheren und heutigen Schwedens, ohne hierbei zu förmlich oder zu sachlich zu wirken. Aber auch die überzogene Sensationsgeilheit der Medien lässt er nicht aus wie die obskuren Wege der Geheimdienstarbeit. Ein Kompliment an Ekdal, ihm ist ein tempo-reicher, spannender und komplexer Thriller gelungen, der trotz der Verschwörungstheorien und Geheimgesellschaften nicht zu fantastisch wirkt - und für mich war das wirklich ein äußerst unterhaltsamer Glücksgriff, der die Zugfahrt fast wie im Fluge vergingen ließ.