...Obgleich man es eigentlich nicht als reguläres Album bezeichnen kann, da hier Songs, die es nicht auf die vorigen Alben geschafft hatten und die damit aus verschiedenen Aufnahme-Sessions stammen, zusammengepackt wurden.
Somit wirkt es verständlicherweise etwas zusammenhangslos und auch der Sound variiert logischerweise gewaltig.
Worauf sich allerdings hauptsächlich das Augenmerk richten sollte, ist natürlich die Qualität der Songs und bei einigen Stücken merkt man schon, warum sie es nicht auf die regulären Alben geschafft haben.
"Walter's Walk" aus den "Houses Of The Holy"-Sessions zum Beispiel hat zwar ganz gute Ansätze, klingt aber - vor allem auch vom Sound - reichlich unausgegoren und unausgereift und auch der Gesang von Robert Plant überzeugt nicht wirklich.
Dann wären da noch "Ozone Baby" aus den Stockholmer Sessions von "In Through The Out Door" und das ist so ziemlich der einzige Song von Led Zeppelin, den ich als wirklich schlecht bezeichnen würde - er klingt wie ein monotoner Popsong und das ewige "oh, she's my own true love" nervt nach einiger Zeit ganz gewaltig. Natürlich gab es auch vorher immer ein paar schwächere Zeppelin-Stücke ("D'yer Mak'er", "Hot Dog" etc.), aber richtig schlecht ist für mich nur "Ozone Baby".
Für "Wearing And Tearing" von den gleichen Sessions gilt dasselbe wie für "Walter's Walk": gute Ansätze, aber etwas unausgegoren.
Dagegen ist die mit wunderschönem Klavierspiel von Jones verzierte, erfrischende Rock-and-Roll-Nummer "Darlene" zusammen mit "Poor Tom" für meine Begriffe der beste Song des Albums.
"Poor Tom" stammt von den Sessions zu "Led Zeppelin III" und das hört man dem entspannten Country-Flair des Songs mit Akustikgitarre, dem lockeren Shuffle-Groove und Mundharmonika auch eindeutig an.
Bleiben noch das treibende Cover "We're Gonna Groove", das mir persönlich mit seinen aggressiven Drums und seiner Energie recht gut gefällt, die in seiner Qualität mindestens so gelungene Version von "I Can't Quit You Baby" wie die des ersten Albums, wenn man bedenkt, dass die Aufnahme bei einem Soundcheck gemacht wurde und Bonhams Schlagzeug-Stück "Bonzo's Montreux". Letzteres ist sicherlich nicht gerade ein Oberhammer, aber mit seinen Steeldrum-Sounds ganz lustig. Bonzos Vermächtnis eben und deswegen darf man es auch ruhig auf so ein Album packen.
Insgesamt kann man also sagen, dass "Coda" zwar nicht schlecht ist, aber eben auch längst nicht so gut wie die vorigen acht Zeppelin-Werke. Außerdem ist die Spielzeit von 33 Minuten nun wirklich geradezu jämmerlich. Zwar behauptete der Rest der Band, sie hätten es schwer gehabt, ausreichend Material zu finden, aber man hätte ja auch zum Beispiel "White Summer" oder "Hey Hey What Can I Do", das zuvor auf Single-B-Sides enthalten war, mit drauf tun können.
Aber das fiel Herrn Page erst ein, als man das Box-Set mit den gesamten Studioalben der Band veröffentlichte. Riecht irgendwie nach Abzocke...
Also: ein Stern Abzug für die schwächeren Songs und einer Abzug für die klägliche Spielzeit.