Unter der Leitung von Jan Kounen wurde in dem 2009 produzierten "Coco Chanel & Igor Stravinsky" aus einem Quäntchen kolportierter Geschichte - dem Strawinski-Eintrag der Wikipedia nicht einmal eine Erwähnung wert - frei nach dem Roman
Coco & Igor von Chris Greenhalgh - ein dramatischer Film mit biografischer Ausstrahlung gestaltet. Zwei vorzügliche Darstellerinnen, eine liebevolle Ausstattung und sehr gut interpretierte Strawinski-Stücke ließen das "Music meets Fashion" - Epos zu einem Genuss für Augen und Ohren werden.
Wie alle großen Künstler war Igor Fjodorowitsch Stravinsky (Mads Mikkelsen, 43) seiner Zeit voraus und damit nicht der angesagte Publikumsliebling. Immerhin nutzte er die Gelegenheit, um mit seiner Gattin Jekaterina (Elena Morozova, 36) einige talentierte Kinder auf die Welt zu setzen.
Der unter ärmlichsten Verhältnissen mehr schlecht als recht in Paris lebenden Familie kam das großzügige Angebot der erfolgreichen Modemacherin und Stil-Ikone Coco Chanel, in ihrer Villa in Garches bei Paris zu wohnen, mehr als gelegen. Doch die im Film wesentlich schönere Coco (Anna Mouglalis, 31) hatte es - wie bei ihr üblich - nicht nur auf die Künstlerseele des guten Igor abgesehen. Sie nahm bei Strawinski "Unterricht" - und genau wie in dem Lindenberg-Song "Die Klavierlehrerin" arbeiten sich die beiden rasch bis zum "hohen Zeh" vor. Wer aber zwei Frauen liebt, hat unter Umständen bald keine mehr; bei Coco verdirbt Igor es sich durch eine arrogante Bemerkung über ihre nicht vorhandenen künstlerischen Leistungen, bei seiner Frau ignoriert er das "letzte" Friedensangebot. Nun, wie wir wissen, gab es ja noch diese Vera de Bosset, und Jekaterina akzeptierte wohl die Vielseitigkeit ihres Gatten bis zu ihrem Ableben 1939.
Dass Anna Mouglalis ungeheuer intensiv von der Leinwand kommt, weiß man spätestens seit ihrer Milla in
Preis des Verlangens. Eine glaubwürdigere kreative und visionäre Unternehmerin mit aller Arroganz und allem Charme kann man sich kaum vorstellen. Ganz sicher hätte Coco Chanel gerne so ausgesehen.
Vielleicht hätte man auch den guten Igor etwas hochwertiger und schöner als das historische Vorbild besetzen können, vielleicht hat man auch nicht die vorzügliche Leistung von Elena Morozova erwartet, die eine faszinierende Mischung aus Liebe und Stärke zu zeigen vermochte. Aber irgendwie fiel der dänische Darsteller Mad Mikkelsen doch neben den starken Frauen ab. Das störte die Balance im Dreieck und ließ keine Spannung in der Beziehung entstehen.
Doch in diesem Film waren die Beilagen das Sättigende. Wie duftig die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle "Le Sacre du Printemps" eingespielt haben, war schon ein besonderer Genuss. Aber insbesondere die Ästhetik der Dekors und vor allem die Mode, die mit Unterstützung von "Chanel" und Karl Lagerfeld zur Verfügung gestellt worden war, begeistern. "Nebenher" lernt man noch ein wenig über die Entwicklung des berühmten
Chanel No. 5. So passt es auch vorzüglich, dass Anna Mouglalis seit 2002 für Chanel wirbt - man kann sich kaum eine geeignetere Repräsentantin denken als diese Frau, die gleichermaßen Intellekt und Schönheit, Stil und Eleganz verkörpert.
Im Original 119 Minuten, Format 2,35:1, DD (IMDB)
film-jury 4* A0484 11.2.2011e 7A Genre: Drama