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Die Geschichte des brasillianischen Desperados, der zum Vizekönig eines afrikanischen Königreiches aufsteigt, ent-
hält hier und da einige "Ecken", die mir jedoch in keinster Wei-
se sauer aufgestoßen sind... das ganze ist eben ein Märchen, und
wer Werner Herzog kennt und schätzt weiß, daß er Märchen sehr
realistisch vermitteln kann. Zum Beispiel ist die Atmosphäre am Hof des wahnsinnigen Königs von Dahomee derartig gespenstisch (genial Klaus "Cobra Verde" Kinskis Ausspruch: "Hier sind die Toten lebendiger als die Lebenden!"), daß der Irrsinn greifbar
wird... beeindruckend auch die Landschaftsaufnahmen und Massen-
szenen, die so viel Detailverliebtheit des Regisseurs durchblicken lassen. Sehr anrührend die Schlußszene, in der
"Cobra Verde" einen Eingeboreneneinbaum zu einer Fahrt in das
Nirgendwo in das Meer schieben will... ich habe in keinem Holly-
woodfilm etwas gesehen, das hier in Bezug auf Szenerie und Musik
mithalten kann... auch nicht in "bildgewaltigen" Werken wie
Coppolas "Dracula".
Zum Thema "politische Korrektheit": Herzog wurde seitens der "öffentlichen Kritiker" immer wieder vorgeworfen, daß er das
Leid der Sklaven in dem Film vernachlässige und stattdessen den
Protagonisten als bedauernswerten, vereinsamten Menschen dar-
stellen würde. Für mich absolut nicht nachvollziehbar und dumm.
Wer bei Bildern von Menschen, die in Ketten gelegt einem nicht
vorhersehbaren Schicksal entgegengezwungen werden, auch noch ei-
nen tränentreibenden Kommentar verlangt, ist blind oder ge-
schmacklos. Bilder sagen eben mehr als Worte.
Die Ausstattung der DVD ("Arthaus") ist gewohnt gut. Es gibt noch
die Bonus-Scheibe "Kinski in Afrika", die die Dreharbeiten (eben-
falls in gewohnt abenteuerlicher Werner-Herzog-Einzelkämpfer-Ma-
nier) dokumentiert. Darüberhinaus wird noch ein Audio-Kommentar
zwischen Laurenz Straub und Herzog mitgeliefert, der allerdings
lediglich im Audio-Format vorliegt und nicht parallel zum ganzen
Film läuft... schade.
Für Kinski-Fans ist "Cobra Verde" sowieso ein "Muß"; allein schon, weil er das letzte Werk des Gespanns "Herzog/Kinski" war.
G-E-N-I-A-L !
Auch bei dieser DVD muss Kinowelt/Arthaus ein ganz großes Lob ausgesprochen werden: das Bild ist für einen Film aus dem Jahre 1987 wirklich perfekt! Ebenso liegt der (rauschfreie, deutsche) Ton in Dolby Digital 5.1 vor (der englische Ton "nur" in Stereo) und auch das Bonusmaterial kann sich durch aus sehen lassen (u.a. ein Audiokommentar, Trailer, usw.). Vor allem aber die Dokumentation "Herzog in Afrika" weiß sehr gut zu unterhalten und gibt einige sehr interessante Blicke hinter die Kulissen der damaligen Dreharbeiten frei (inkl. Interviews mit Herzog selber und noch einigen anderen Beteiligten).
Zum Film selber gibt es eigentlich nur zu sagen, das er ein ebenso großes cineastisches Erlebnis ist wie auch schon seine vier Vorgängerfilme ("Aguirre", "Nosferatu", "Woyzeck" und "Fitzcarraldo")! Die afrikanischen Kulissen z.B. sind wirklich traumhaft schön eingefangen und auch mit der passenden Musik untermalt worden (u.a. klassische, afrikanische "Volkslieder").
Kinski selber ist mal wieder in einer dermaßen opulenten und unbeschreiblichen Topform zu sehen, die keiner Worte standhalten können sie auch nur annähernd würdig zu beschreiben. Einfach nur unglaublich... vor allem die letzte, finale Szene: als Kinski sterbend am Strande zu sehen ist. Dieser Todeskampf hat ihn wirklich "aufgebraucht"... als hätte er schon zu diesem Zeitpunkt ahnen können, das sein Leben nicht mehr allzu lange gehen würde (Kinski war zu jenem Zeitpunkt ja schon leicht krankheits- bedingt gezeichnet). Noch seinem "Paganini" war dies wirklich die letzte große Rolle für diesen außergewöhnlichen "Schauspieler" und Menschen.
Aber dennoch bekommt dieser Film "nur" 4 Sterne von mir. Wieso? Trotz allem wirkt der Film für mich teilweiße etwas unausgeglichen und unnötig gestraft (106 min. Laufzeit sind einfach zu kurz für eine so lange, vielschichtige und komplexe Erzählung/Geschichte). Auch fehlt an manchen Stellen einfach zu sehr diese einmalige Atmosphäre und Grundstimmung, wie man sie zuvor auch in den vier andern Produktionen (siehe oben) wahrnehmen konnte.
Aber sei es drum: diese "Mankos" sind im Grunde genommen eigentlich keine wirklichen, da man sehr leicht über sie hinweg sehen kann und auch nicht wirklich groß stören. "Cobra Verde" ist und bleibt definitiv "ein schillerndes Werk Spektakel um Größe und Wahnsinn!" (Covertext).
R.I.P. ...Klaus Kinski
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