Es gibt gute Gründe, warum man auf den Kauf von COBRA, dem neuen Buch des Bestseller-Autors Richard Preston, verzichten und auf den Film warten sollte: Die Story ist ziemlich durchsichtig gestrickt - Der Böse hat eine gentechnisch veränderte Biowaffe geschaffen, mit der er im Handumdrehen Millionen töten will.
Verhindern kann das nur die Schlaue alias Jody Foster, eine junge Inspektorin der Bundesbehörde für Seuchen- kontrolle, mit Hilfe der Guten, den Jungs vom FBI. Von denen heißt einer zwar Hopkins, aber er sieht aus wie Kevin Costner.
Zudem kommt der thrillerübliche Tod auf den 420 Seiten von COBRA ziemlich unschön daher und er wird begleitet von Krämpfen, unstillbaren Blutungen und unsäglichen Selbstzerstümmelungen. Preston breitet die blutigen Details erbarmungslos aus.
Kate, eine junge Frau und eines der Opfer des Virus, wird auf 19 Seiten vorgestellt - bei ihrer Autopsie im Leichenschauhaus. Einziger Trost: Man kann Seiten überspringen, ohne den Faden zu verlieren.
Was COBRA dennoch unbedingt lesenswert macht, ist die beunruhigende Tatsache, daß Preston außer seiner Story nichts erfunden hat. Alle Techniken und Ingredenzien zur Herstellung eines Todesvirus sind auf dem Markt, die Labore real, die Forscher bei der Arbeit. Bei Designergiften wie BoT-Tox tötet eine Menge von der Größe des Punktes auf diesem i zehn Menschen.
Wirklich beängstigend sind daher die Kapitel des Buches, in denen der Journalist Preston die Fakten verarbeitet hat, die er in über hundert Interviews mit Naturwissenschaftlern, Ärzten und Experten für biologische Waffen akribisch recherchiert hat: Drei Passagen etwa, die "Unsichtbaren Geschichten", zeichnen ein erschreckendes Bild von der Entwicklung von Biowaffen in den USA, Russland und dem Irak und ihrer unkontrollierten Verbreitung.
Prestons Fazit: Die Guten gibt es nur in seinem Buch.
Jochen Vorfelder c/o Greenpeace Magazin