Da liegt die Messlatte mit THE ART OF WAR schon extrem hoch und Sabatons chaffen es dennoch, an dieses Ausnahmealbum heranzukommen. Generell muss man aber festhalten, Sabaton spielen hier deutlich gradliniger, direkter, weniger pompös (wenn gleich es genug Keyboard und Pathos gibt ;)). Mir gefällt das sehr gut, keine Zwischenstücke, einfach 10 Songs (und 2... "Karaoke"-Songs) die einfach grade aus nach vorn gehen und einen mitnehmen - zwar nur 40 Minuten lang, aber machen wir uns nichts vor: Die meisten Klassikeralben sind nicht viel länger. Und auf die Zwischenstücke von TAOW konnte ich einigermaßen verzichten. Die Produktion fällt sehr üppig aus, ist aber keinesfalls überproduziert, im Gegensatz zu TAOW wird alles etwas zurückgeschraubt, die Gitarren sind deutlich im Vordergrund und das Keyboard etwas ruhiger. Dazu gesellen sich wirklich sehr fette, sehr geile Chöre, die oftmals die fantastischen Refrains untermalen. Was bleibt:
Der extrem epische und forsch nach vorn gehende Opener COAT OF ARMS, der thematisch den Verteidigungskampf der Griechen gegen die Deutschen im WK2 darstellt. Da muss ich direkt sagen: Anders als auf den vorherigen Alben, behandeln alle Stücke den Zweiten Weltkrieg, sieht man vom arschgeilen METAL RIPPER ab. Weiter geht es dann mit MIDWAY, welches am ehesten mit WE BURN oder INTO THE FIRE gleichzusetzen ist: Extrem flott und recht kurz. Weiter geht es mit der obligatorischen Polen-Hymne UPRISING, welche den Aufstand im Warschauer Ghetto 1944 zum Thema hat und ein weiteres Highlight des Albums darstellt, der Song ist keine Abrissbirne wie seinerzeit 40 TO 1 - aber dürfte eine ähnliche Wirkung auf die Gemüter in Polen haben. Wirklich ein klasse Song. Danach kommt das Albumhighlight für mich: SCREAMING EAGLES, welches die Geschichte der 101. US-Luftlandedivision im verschneiten Bastogne behandelt, extrem schnell ins Ohr gehend mit einem Hammerrefrain und einem Riffing, das unglaublich ist. Der Wahnsinn. Danach ein Song, der die Gemüter spaltet aber doch komplett überzeugen kann: THE FINAL SOLUTION, manch einer mag den Kopf darüber schütteln, wie man einen Song zum Holocaust schreiben kann. Aber der Song ist nicht partylastig oder so, er ist sehr mitfühlend und aufrüttelnd, und das ist es, was diesen Song so klasse macht. Experiment geglückt, würde ich sagen, langsam und getragen, ehrfurchterbietend und einfach mitreissend. Mit ACES IN EXILE geht es direkt wieder auf die 12 zu - vergleichbar mit PRIMO VICTORIA irgendwie. Absolut eingängige Melodien im tollem Lyrik-Gewandt. Thematisch entführt der Song den Zuhörer zur Luftschlacht um England und die vielen ausländischen Piloten, die die Insel gegen die Luftwaffe verteidigt haben, ein richtiger Partykracher! Un mit SABOTEURS bleibt man der Geschwindigkeit treu und legt liefert ein Song, der etwas an BACK IN CONTROL erinnert und einfach Spass macht. Anders als man vermuten möchte, geht es um britische Spezialeinheiten die hinter den feindlichen Linien agieren - nicht um die Resitance. Leicht orientalisch und stark an STALINGRAD (und etwas an PANZERKAMPF) erinnernd kommt dann das majestätische WEHRMACHT daher - doch keine Angst: Der Song ist keine Lobeshymne sondern ein unpolitischer Nackenbrecher mit extrem viel Druck und Kraft - ein unaufhaltsame Kriegsmaschieniere wird dort textlich dargestellt und der Refrain Ad victoriam / Ex machina / Non sibi sed patriae ist einfach nur sehr edel. Richtig geil. Mit WHITE DEATH wirds wieder deutlich flotter und direkter. Und wie! Dieses Mal hat man sich einen finnischen Scharfschützen zum Thema gemacht, der für die Russen im Winterkrieg (besungen in TALVISOTA) zum Weißen Tod wird. Schnell, packend und ein Wahnsinnsrefrain der sich direkt festgräbt und nicht mehr loslässt:
You're in the snipers sight, you're his first kill tonight
Say goodbye, say goodbye hundreds will fall by his gun
You're in the snipers sight, you're his first kill tonight
Say goodbye, say goodbye white death is coming for you
Da kommt richtig gute Laune auf und macht einfach nur ohne Ende Spass. Der letzte Song ist dann METAL RIPPER, in dem es NICHT (!) um Ripper Owens geht sondern mehr um eine kleine ausgedachte Fabelgestalt, die vielleicht später noch mal hervorgekramt wird, wenn man Pär Sundström von Sabaton Glauben schenken darf. Wie dem auch sei: In bester METAL CRÜUE / METAL MASCHINE Tradition beendet dieser Wahnsinnssongs das Album und lässt einen glücklichen Fan zurück. Ich bin zufrieden, wenngleich ich mir zukünftig wieder etwas mehr Entwicklung wünschen würde. Aber bis dahin heißt es: Sabaton sind auch im Jahre 2010 Sabaton und nehmen es mit allen auf, soviel steht fest. Als Bonus gibt es quasi noch die beiden Karaoke-Versionen von COAT OF ARMS und METAL RIPPER mit obendrauf. Wer es braucht... nun ja. Abgerundet wird das Digipak mit einer tollen Aufmachung, einem cool gestaltetem Booklet und einem wirklich grandiosem Cover in Hochglanz. Großes Tennis!
Wer Sabaton vorher nicht mochte, wird auch weiterhin nichts mit ihnen anfangen können, aber Fans und solche, die der Gruppe und neuer Musik offen gegenüberstehen, werden mehr als nur viel Spass mit der Scheiblette haben. Zugreifen! Metal as its best. Und wer die Jungs live sehen kann, sollte dies auch tun, Möglichkeiten gibt es genug, denn Live sind die Jungs im Moment das Non-Plus-Ultra im Edelstahl-Bereich. Na dann, FOR THE GLORY OF... SABATON!