Das Thema Coaching ist en Vogue. Mit dieser Feststellung eröffnen die Autoren Martina Offermanns und Andreas Steinhübel die Einleitung zum "Coachingwissen für Personalverantwortliche". Es handelt sich um eine Aussage, die so offenkundig wahr wie prägend für den Aufbau des Buches ist. Die Popularität dieser Disziplin in der Personalentwicklung ist von Beratungsbedarf seitens des Managements begleitet und von erstaunlichem Einfallsreichtum derer, die ihre Dienste unter dem Label "Coaching" anbieten. Die vorliegende Publikation aus dem Campus Verlag fällt im "Coachingdschungel" (Offermanns/Steinhübel) durch übersichtliche Begrifflichkeiten auf: Was ist Coaching? Wer coacht wen? Was nutzt Coaching und was darf es kosten? Wichtige Basics, bevor man im Mittelteil zu Konzept, Implementierung und Durchführung kommt.
Die Auffassungen darüber, was Coaching ist und was es leisten sollte, decken in der Tat ein breites Spektrum Zielsituationen und Methoden ab. Grund genug für die Autoren, den Weg zum Coaching mit den Gemeinsamkeiten zu beginnen. Motivation des Klienten, Transparenz der Methode und Qualifikation des Coaches sind Grundvoraussetzungen, die unabhängig von Unternehmen und Thema gelten. Die Zielgruppe für Coachings sind alle Mitarbeiter in exponierten Stellungen (Management, Geschäftsführung, Experten). Ihr Coachingwissen wollen die Autoren aber nicht an diese, sondern an Personalverantwortliche weitergeben. Ein Standardrezept haben sie nicht. Das Coaching muss zu den individuellen Begebenheiten passen. Offermanns und Steinhübel investieren daher knapp 40 Seiten in eine "Vorbereitungs- und Diagnosephase" zur Klärung der Basics. Wer wird überhaupt gecoacht, von wem und warum? Das ist nicht trivial. Wer
die richtigen Fragen gestellt und beantwortet hat, sollte in der Lage sein das erwartete Ergebnis eines Coachings passgenau abzustecken und kann sich dann auf die Suche nach dem richtigen Coach machen.
Es gibt nicht den Coach für jedes Thema und alle Klienten. Aber die Orientierung über grundlegende Qualitätsmerkmale, die methodische Qualifikation, Konkurrenzausschluss, Verschwiegenheit und Kostentransparenz betreffen, gibt wichtige Anhaltspunkte für die richtige Wahl. Bei den "technischen Details" zur Durchführung von Coachings beschränkt sich das "Coachingwissen für Personalverantwortliche" weitgehend auf den unmittelbaren Kompetenzbereich der Zielgruppe (Konzeption, Prozesssteuerung, Evaluation); Coachingmethoden im Einzelnen werden nur angerissen. Das ist konsequent, denn das Buch ist nicht als Maßnahmenkatalog konzipiert. Stattdessen: Beispiele aus dem Coaching-Alltag, nicht idealtypisch, sondern "Erfolgs- und Misserfolgsstorys" aus der Unternehmenspraxis.
Lessons Learned
Insgesamt haben wir es mit einem klugen und gut strukturierten Buch zu tun. Wer ein Nachschlagewerk erwartet wird möglicherweise enttäuscht werden - schon weil die Kapitel und Unterkapitel nicht nummeriert sind, gerät die Orientierung schnell zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Der richtige Weg durch den Coachingdschungel folgt wohl dem Aufbau des Buches: Man beginne am Anfang und lese dann bis zum letzten Kapitel. Das mag Online-Navigation geübte "Rechercheure" überraschen, aber nur so ist gewährleistet, dass man sich - als Personalverantwortlicher - ein individuelles Schema erarbeitet, mit dem Coachingprozesse erfolgreich begleitet werden können.