Im Gegensatz zu Titel und Untertitel ist dies kein reißerisches Buch. Erik Lindner hat sehr gründlich recherchiert, und manche Passagen sind fast zu ausführlich geraten. Man erfährt buchstäblich alles über Coaching, etwa, dass es auf die Frage 'Was ist Coaching?' keine bündige Antwort gibt, dass im Sommer 2010 über 1.300 Bücher über Coaching zu kaufen gab und dass im deutschsprachigen Raum derzeit etwa 50.000 Menschen Coachings anbieten.
Und es gibt, so Lindner, mittlerweile 'längst nicht mehr nur Management Coaching, Business Coaching, Coaching für berufliche Neuorientierung, Existenz- und Unternehmensgründung, Unternehmensdarstellung, Kundengewinnung, Personalentwicklung, Zeit- und Projektmanagement, Leistungsentwicklung, Coaching zwecks Burnout-Prävention, sondern auch Coaching für gesundheitliches Gleichgewicht, für Persönlichkeitsentfaltung, zur Partnerfindung, gegen Prüfungsblackout, Education Coaching, Lehr-Coaching, Ernährungs-Coaching, Life Coaching, Familien-Coaching, Partner & Sexuality-Coaching, Psychosoziales Coaching, Crash-Coaching, Knigge-Coaching, Art-Coaching, Aufräum-Coaching, Lama-Coaching, Coaching wegen Erfolgsboykott und Mobbing ''
Lindner beschreibt die 'Idealtypen': Business Coach, Diplom-Psychologe, Psychotherapeur, abgewickelter Personaler, Firmeninterne, Autodidakten, Novizen, Geistliche, esoterisch-spirituelle Life Coaches, Grobe, Diven und Narzisse, Alleskönner und Abzocker. Schon anhand dieser Liste ist leicht zu sehen, wie groß das Coaching-Feld (geworden) ist.
Am anschaulichsten ist das Kapitel 'Die Coachees' geraten: hier berichten Menschen, warum sie ein Coaching in Anspruch genommen haben, wie es ihnen dabei ergangen ist und was es ihnen gebracht hat.
Interessant ist auch das Kapitel über die Branche, in welchem Leute, die daran denken, ebenfalls Coach zu werden, erfahren, dass sie davon wahrscheinlich nicht leben können werden. Vom geschätzten Umsatzvolumen von etwa 300 Millionen Euro in Deutschland fällt mehr als ein Zehntel auf das, was für Ausbildungen gezahlt wird. Anders gesagt: Der Großteil der Coaches muss Nebenbeschäftigungen nachgehen, während nur ein ganz kleiner Teil wirklich gut verdient.