"Clyde Fans" kommt nicht an das melancholische, nostalgische Buch "Eigentlich ist das Leben schön" heran, ist aber erzählerisch ganz sicher eine Besonderheit. Die beiden Teile des Buches unterscheiden sich maßgeblich voneinander. Der erste ist nichts anderes als die Erzählung eines alten Mannes, einst Geschäftsmann in besseren wirtschaftlichen Zeiten, der vom Aufbau und Niedergang seines Ventilatoren-Vertriebs berichtet - in einem sehr wehmütigen, bedauernden Tonfall. Wir sehen diesen Herrn an verschiedenen Orten, unter anderem in dem herunter gekommenen Geschäft, das längst insolvent ist, und er spricht und spricht am laufenden Band. Manchmal ist er auch stumm. Das ist zunächst alles und klingt nach wenig: So liegt die Frage nahe, warum "Clyde Fans" kein Ein-Personen-Stück für die Bühne ist. Wozu Panels und Sprechblasen? Stimmig wird das alles dann in Teil 2, ein Blick zurück in die Vergangenheit, in beste ökonomische Zeiten. Im Mittelpunkt steht nun aber der Bruder des alten Mannes aus Teil 1, der sich ganz und gar nicht für den Außendienst eignet und trotzdem Ventilatoren in der Provinz verscherbeln muss. Er ist dem Job nicht gewachsen und entzieht sich ihm viel zu oft, läuft gedankenverloren durch ein kleines Städtchen, lässt sich von Kleinigkeiten ablenken. In Seths "Clyde Fans" wird eine Firmengeschichte aus zwei Perspektiven erzählt mit unterschiedlichen narrativen Mitteln: Der eine baut sich seinen Lebenstraum auf, verliert alles, der andere ist dabei und doch nie Teil davon, denn er gehört in ein anderes Metier (und nebenbei ist er ein introvertierter, musischer Charakter, und die sollten sich mit so was auch gar nicht abgeben). Verkaufen ist eben eine Eigenschaft, die man kaum erlernen, bestenfalls verfeinern kann. Insofern dann doch eine der besseren Anschaffungen für Liebhaber ernster Unterhaltung in Bild und Text - doch Seths entscheidender Beitrag zur "Comicliteratur" ist dann doch "Eigentlich ist das Leben schön".