Alles hängt mit allem zusammen. Das kann trösten. Aber es kann auch eine schlimme Feststellung sein.
Meine Generation kennt es z.B. aus der Geschichte des Untergangs der Independent-Musikszene: Eigenständigkeit und Widerstand wurden erstickt in der scheinbar freundlichen Umarmung durch ein großes, industrielles Ding (Major Companies). Die Majors holten die Indies in ihre Welt, wo sie starben, sich veränderten oder in ihrer rebellischen Attitüde zur Marke wurden. Das passiert überall, auf vielen anderen Gebieten. Es braucht dazu vertrauenerweckende Vermittler (im Falle der Independent Szene dieA&R-Manager) die selbst mal draußen waren und noch danach riechen, Transformatoren, die mit sozialstrategischem Know-How und dem Anschein der Unabhängigkeit Menschen an die Ansprüche des Wirtschaftssystems anpassen. Es ist ein Netzwerk. Und wir sind darin selten die Spinnen.
Detlef Hartmann analysiert derartige Strategien vehement kritisch. Sein Buch Cluster konzentriert sich auf die industrielle Arbeitswelt. Cluster sind die momentan angesagten Unternehmensmodelle, von denen man sich weltweit Innovation verspricht: strategische Anhäufungen vernetzter Firmen an einem Ort, Teil einer neuen Etappe des Kapitalismus. Ein anderes Buch Hartmanns, Empire ' Linkes Ticket für die Reise nach Rechts, ist eine negative Reaktion auf das viel diskutierte Buch Empire der Autoren Hardt und Negri.
Ich kenne Hardts & Negris Buch nicht; laut Hartmann und anderen Quellen ist es eine wirtschaftsphilosophische Beschreibung der aktuellen Weltordnung und wirbt programmatisch für ein reformierendes sich Einbringen. Hardt und Negri nehmen als Fakt hin, dass es keinen Ort außerhalb des global vernetzten Systems mehr gebe, um zu rebellieren. Es gebe nur noch das weltweit kontrollierende, wirtschaftsmächtige Empire, das aber eigentlich ein sogenanntes Wir, die Multitude der Kreativen und Produktiven, selbst erschaffen hätten. Wir könnten es uns zurückholen, es miteinander umgestalten ' sozial, kommunistisch, weltbürgerlich. 'Wehre dich nicht, das reibt nur beide Seiten auf, wir sind doch eins, das ist viel effizienter. Gestalte mit am Gesellschaftskörper! Hej, Synergie!' könnte man Hardts & Negris Motto wohl zusammenfassen - es klingt wie die fleißig ins Jungbrunnenreich einfahrende fröhliche Schar aus dem Mundorgel-Lied ('Wer nur den lieben, langen Tag ohne Plag, ohne Arbeit vertändelt, wer das mag, der gehört nicht zu uns'). Und im Untergrund schlaumeiern Hardt & Negri, mit Verweisen auf Machiavelli über Nietzsche bis Schumpeter, von schöpferischer Zerstörung ' dem Gedanken, dass es (durchaus auch durch Kriege) nötig sei, sich und anderen Traditionen und Sicherheiten zu nehmen, um etwas Neues, Zeitgemäßes aus uns zu machen.
Z.B. eine geistig und psychisch ausbrennbare 'Wissens'-Elite, die man ' so sinngemäß Hartmanns zornige Entgegnung - dazu übertölpelt, den Kakao, durch den man sie qualvoll zieht, auch noch lecker zu finden. Es ist wie Hänsel und Gretel: Die Hand, die uns füttert, will nicht uns Gutes tun, sondern sich und klopft ihrem 'Humankapital' mit unverblümtem Besitzerstolz wie einem Rennpferd auf den Po. Wir sollen gefressen werden, dressiert, um wieder andere zu dressieren. Die dann als Akteure einer 'Qualitätsbevölkerung' strahlend von ihren geilen Jobs berichten, welche zwar sie und andere ausbeuten, jedoch allen das subjektive Gefühl geben, an einer großen, guten Sache beteiligt zu sein, die es rechtfertigt, anderes auszublenden und zu löschen.
Detlef Hartmann entlarvt die totalitär- radikale Aggressivität der dynamischen Zwänge, die unser Leben sind und weiter werden sollen, die wir nähren und fortpflanzen, mit denen wir uns und andere krank und irre machen.