Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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30 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Mark des Lebens, 21. April 2008
Der Film lebt von diesen genial besetzten Jungs: Es sind ausnahmsweise mal keine geschleckten, coolen Boygroup-Typen, sondern echt wirkende, lebendige Jugendliche, die lernen, lachen, wie gewohnt funktionieren, heimlich auch mal lästern... und träumen.
Es ist eine Ehre, an dieser Schule lernen zu dürfen, in dieser ausgesuchten Internatsgemeinschaft zu leben! Hier werden Elite-Studenten geschmiedet, die Chancen auf die erstklassigsten Universitäten haben! Wer hier Schüler ist, träumt von einer exclusiven Anwaltskanzlei, von einer bedeutenden Chefposition, von einem Platz bei den Höheren Zehntausend!
Entsprechend ist die Disziplin und der Fleiß für alle Jungen ein Muß!
Der neue Lehrer Mr.Keaton ist anders. Irritierend, aber auch erfrischend. Sein Literaturunterricht ist dynamisch, sprüht Funken. Shakespeare und andere große Dichter verlieren ihre ehrwürdige Starre und beginnen, zu leben. Der Lehrer versucht, in den Jungs die Träumer zu wecken, die Gipfelstürmer, die Phantasten. "Carpe diem" - genießt, saugt das Mark des Lebens in euch, lebt!
In einem alten Jahrbuch finden die Jungs das Foto ihres Lehrers und einen Hinweis auf die später verbotene Organisation "Der Club der toten Dichter". Die damaligen Schüler hatten in aller Unschuld eine Art Literaturclub gegründet, heimlich, und dort Gedichte großer Meister gelesen, auch eigene Versuche. Dieser Versuch ungehemmter Lebensfreude erschien der Schulleitung bedrohlich - er war nicht unter der strengen Kontrolle der Traditionsprediger. Die Gruppe wurde aufgelöst.
Ein paar Jungs beschließen nun, diesen Club wiederzubeleben. Allen voran der heißblütige Nick, ein Einser-Schüler, der es seinem Vater nie Recht machen kann. Auch der extrem schüchterne, sensible Tod traut sich. Und Charlie, der gerade erste männliche Regungen entdeckt. Die Jungs lassen sich mitreißen von der Magie der Poetik, der Poesie.
Zum Eklat kommt es, als Nick sich ohne Wissen seines Vaters für die Schulaufführung des "Sommernachttraums" bewirbt und die Rolle des Puck erhält. Der Vater erfährt es und reagiert knallhart: Wegen solcher Faxen hat er seinen einzigen Sohn nicht an diese teuere Schule geschickt! Sein Sohn soll seine Zeit nicht mit Spielereien verplempern, sondern sich ausschließlich auf Bestleistungen konzentrieren! Nur so könne er zur Spitze aufsteigen!
Für Nick bricht eine Welt zusammen. Er hat die Schauspielerei als sein Leben erkannt. Trotz des klaren väterlichen Verbotes probt er weiter. Ein vorher undenkbarer Ungehorsam!
Der Vater duldet diesen Widerstand nicht. Er holt den Jungen aus der Premierenfeier, aus allen Begeisterungsstürmen heraus: Da sein Sohn sich ihm an diesem Internat so ungeheuerlich widersetzt, soll er nun an eine Militärakademie, wo ihn keine "schönen Künste" ablenken werden!
Nick ist verzweifelt. Er kann sich seinem Vater nicht erklären. In der festen Überzeugung, keinen Ausweg zu finden aus seiner Leidenschaft und der väterlichen Härte, nimmt er sich das Leben.
Der Schmerz des Vaters. Als er seinen Sohn findet. Eine der stärksten Szenen des Films. -
Um diesem furchtbaren Schock begegnen zu können, muß nun ein Schuldiger gefunden werden. Alles Andere brächte diese Welt der Disziplin und Höchstleistung zu sehr ins Wanken.
Der Schuldige ist schnell ausgemacht: Mr. Keaton, der verantwortungslose Freidenker. Nur unter dessen Einfluß konnte der Junge dermaßen irritiert werden, dergestalt von seinem bisherigen gradlinigen Weg abgebracht worden sein.
Der Film verzichtet dankenswerterweise auf Kitsch. Nein, es findet keine Revolution an der Schule statt. Nein, der Lehrer wird nicht rehabilitiert und auch nicht der neue Direktor der Schule. Er muß gehen. Bis auf einen Schüler haben alle gegen ihn unterschrieben, der psychische Druck war zu groß, das spontan und mit harter Hand geknüpfte Netz zu engmaschig.
Nur kleine Momente des Triumphes sind erlaubt: Der in Unehren entlassene Lehrer darf aus dem Vorbereitungsraum noch miterleben, wie sein wütender Ersatz-Lehrer erfahren muß, daß die allzu didaktischen Interpretationsvorgaben aus sämtlichen Schülerbüchern rausgerissen wurden.
Und als Mr. Keaton die Klasse verläßt, kann auch der Direktor die spontane Würdigung der Schüler nicht unterbinden. Aber: Nicht alle Schüler schließen sich an. Das nimmt diesem letzten Bild die latent vorhandene Kitsch-Gefahr.
Abstriche an diesem wunderbaren Film... Ich will eigentlich nicht. Aber ein Klischee soll dennoch erwähnt werden, dem wohl kein Teenie-Film ausweichen kann: Der frühlingserwachte Knock Overstreet hat sich verliebt, in DIE Schönheit aus der Nachbarschule. Nur leider ist diese seit Jahren vergeben, und zwar an das absolute Oberarschloch dieser Normalo-Gemischten-Schule, an den Supersportler, Brutalo, Obermacho und absolut Intelligenzfreien. - Das nervt so sehr: Was kann so toll sein an einem Mädel, daß über einen langen Zeitraum allen Ernstes mit einem totalen Unsympath geht... Zumal in all diesen Filmen besagtes Mädel als eigentlich sensibel, romantisch und klug behauptet wird... Bloß in der Partnerwahl setzt es jedesmal aus, so scheints. Und es dauert enervierend lange, bis so ein Mädel vom Schläger zum netten Kerl wechselt. Dennoch gelingt es jeder dieser blonden Schönheiten zum Ende hin ganz unspektakulär. Und vorher wird so getan, als wäre mindestens ein Ehrenmord zu befürchten...
Nun ja, geschenkt! Der Film ist dermaßen schön, daß trotzdem alle Sterne bleiben.
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100 von 149 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Für das Leben selbst, 25. Juli 2009
Es gibt Filme für alle Spielarten des Lebens - vom Bedarf an Entspannung über den Bedarf an Information und Geistkräftigung bis zum Bedarf an Sinnenfreude oder Trost. Dieser Film ist für mich wie kein anderer einer für das Leben selbst und darin zudem mit personeller Bestbesetzung verbunden. Von leichter Ironie über den Einsatz von psychischer und physischer Gewaltanwendung bis hin zu offenem Widerstand gegen falsche Wegweisung setzt er sich mit gefährlichem -ionen-Reichtum auseinander: Traditionen, Intentionen, Protektionen und manches mehr fordern nicht einmal Fortentwickler, sondern ausschließlich ergebene Jünger. Reflektion hingegen ist nicht Bestandteil des entsprechenden Bildungs- und Erziehungs-Paketes.
Das Leben im Elite-Internat wird begleitet vom Leben an sich - einschließlich des Bedarfs an Annnahme, Liebe, Selbstverwirklichung, persönlicher Freiheit. Auch diese Belange halte ich für bruchlos einbezogen. Wo Lehrer Schüler mit Lehre in die Leere führen und Eltern Kinder zu Sklaven eigener Vorstellungen von Karrierechancen werden lassen, geht es nicht mehr um eine Suche nach Kompromissen, sondern um den Verlust oder Gewinn von Selbstsein - mit allen denkbaren Folgen. Der Befreiungsschlag des Denkens gegen eine Fehlinterpretation von Dichtung ist ein zunächst eher unbedeutend wirkender Anfang der Selbstbefreiung von einer kasernierten, ja gänzlich weggesperrten Welt der Gedanken und Gefühle insgesamt.
Dass solche Art der rücksichtslos und mit allen Mitteln betriebenen Indoktrination sogar Menschenleben kostet, ist in diesem Film gleichfalls für mein Empfinden eher schlüssig als überzeichnend dargestellt - als ebenso erschütternde wie wahre Aussage. An dieser Stelle endet nachvollziehbar die Lebbarkeit zweier gänzlich gegensätzlicher Auffassungen von Bildung und Erziehung Tür an Tür, Herzlosigkeit an Herz, Hirnlosigkeit an Hirn. Bis hin zur bannenden Schluss-Szene lautet die Botschaft: Es lohnt sich, falsche Wegweisung nicht in Machtlosigkeit auszusitzen, sondern ihr überzeugt zu widerstehen - besonders augenscheinlich auf den Schulbänken selbst!
Für mich ein Film, der spurensicher lebenswichtige Veränderung aufzeigt und darum immer wieder sehens- und bedenkenswert sowie nachhaltig wichtig ist.
Ein Satz dieses Films hat mich übrigens gedanklich in eine gänzlich andere, deutlich angenehmere Richtung geführt. Er lautet: <Sprache ist vor allem zu nichts Anderem dienlich als dazu, Damen zu betören.> Dieser An- und Einsicht schließe ich mich besonders gern an.
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72 von 114 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Pflücke die Knospe solange es geht, 29. Januar 2002
"Pflücke die Knospe so lange es geht, und die Blüten, wenn Sie noch prangen. Denn bald sind die Rosenblätter verweht. Wie schnell kommt der Tod gegangen." (Walt Whitman)"Warum hat der Dichter diese Verse geschrieben?" "...Weil wir Nahrung für die Würmer sind, Jungs!" schrie Keating. " Weil wir Frühjahr, Sommer und Herbst nur in begrenzter Anzahl erleben werden. Es ist kaum zu glauben, aber eines Tages wird jeder einzelne von uns aufhören zu atmen, wird erkalten und sterben!" Ist dies das Leben? Schockiert stellt sich mir diese Frage. Die Antwort findet sich auch nicht in Peter Weirs nachdenklich poetischem Film "Der Club der toten Dichter". Aber Weir wirft zumindest die Frage nach dem Sinn des Lebens auf. Woche für Woche, Jahr für Jahr produziert der Mensch Spielfilme. Regisseure investieren ihr Herzblut um den Zuschauer für wenige Minuten seines Lebens eine andere, vielleicht bessere Welt zu suggerieren. Ein hohes Ziel, oft erprobt, selten erreicht. Hier ist es eindeutig geschehen. Und auch lässt sich ausnahmsweise über Geschmack nicht streiten. Wie eine ganze Generation junger Menschen, so habe auch ich damals ehrfurchtsvoll diesen Sätzen gelauscht: "Damit das Spiel der Mächte weitergeht" und schon fand ich mich vollends mit dem Leben konfrontiert. Gerade hier setzt Peter Weirs Film ein. Robin Williams entwickelt sich zur Vaterfigur für alle Zweifelnden, alle Ängstlichen, alle Fragenden und alle Liebenden. Als Wegweiser des Lebens versucht er mit seiner einfühlsamen und aufrüttelnden Darstellung des Lehrers Keating seine Schüler aufzurütteln, loszulösen von allen Zwängen, die das Elternhaus und alle Institutionen eigens nur für Sie errichtet haben. Nach dem Film fühlt sich jeder Zuschauer zu einem anderen Darsteller hingezogen. Jeder spürt, daß er des Nächtens schon einmal, zumindest im Traum, in einer Höhle gesessen und Gedichte rezitiert hat. Jeder wollte schon einmal die Welt verbessern. Und das ist die Aussage diese Films: Jeder Mensch besitzt so viele Talente, in einem jeden schlummern sie tief verborgen. Und nur ein freier Geist ist befähigt, all seine Gefühle zu erleben, auzuleben und Lebensfreude zu vermitteln. "Der Club der toten Dichter" ist ein Film, der es jedem ermöglicht Gefühle zuzulassen ohne Peinlichkeiten zu verspüren, ohne in seiner Stärke als Mensch nachzulassen, sondern gerade durch die Ehrlichkeit und die Reinheit der Gefühle zu einer wahrhaften Größe aufzusteigen. "Kommt meine Freunde, Noch ist es nicht zu spät, drum lasst uns neue welten suchen! Denn dies habe ich mir vorgenommen, Als Segler überquere ich den Horizont. Und wenn uns auch die Kräfte fehlen, Erd`und Himmel zu bewegen, so blieb uns eins: Das Temperament von Heldenherzen, Das Zeit und Schicksal zwar geschwächt, Doch das sich nie beirren ließ, Zu streben, suchen und zu finden... Und niemals aufzugeben." Das Ende des Films versetzt mir noch heute einen tiefen Schmerz. Aber das Geschehene ist auch die Antwort auf die alles entscheidende Frage. Das Leben ist keine Kampf, sondern bis zu seinem Tod wirkliches Leben. Und jeder sollte seinen Vers dazu beitragen, damit das Spiel der Mächte weitergeht.
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