Wer hat Gleb Kalaschnikwo ermordet? Galt der tödliche Schuss eigentlich seiner Frau, der Tänzerin Jekaterina Filippowna Orlowa? Der Mord am Casino-Besitzer Gleb Kalaschnikow ist der Dreh- und Angelpunkt von Polina Daschkowas „Club Kalaschnikow", einer Geschichte um Machthunger und Eifersucht.
Während der Ermittlungen von Wanja Kusmenko und Shenja Tschernow tun sich eine Vielzahl an großartigen Verstrickungen auf: u.a. eifersüchtige Geliebte, ermordete Ex-Geliebte und ein Obdachloser mit schier erdrückenden Beweisen. Und viele mögliche Täter mit verschiedensten Tatmotiven von Eifersucht bis Neid.
Das Hörspiel zeichnet durch die Handlungen der auftauchenden Personen aber auch durch deren kleinen Nebensätze - wie z.B. „Ein tolles Farbfoto" als Kommentar auf das Bild einer möglichen Tatverdächtigen - ein sehr aktuelles, zeitgenössisches Porträt Russlands. Ein Land, das nach dem Zerfall der Sowjetunion viele Verlierer und wenige Gewinner hervorgebracht hat. Sozialer Neid und Unzufriedenheit scheinen die häufigsten Emotionen der Verlier zu sein, Gleichgültigkeit und Berauschtheit durch Reichtum die der Neureichen. Auffallend ist, dass es keine Mittelschicht zu geben scheint - entweder leben die Charaktere in unermesslichen Reichtum oder unterhalb oder knapp über der Armutsgrenze. Eine bürgerliche Mittelschicht gibt es in Russland allem Anschein nach nicht. Diese kritischen, stringenten Beobachtungen Daschkowas scheinen dem Hörer authentisch - kommen sie doch selbst von einer scharfsinnigen Russin, und nicht von einem Ausländer.
Viele bekannte Schauspieler sprechen ihre Rollen wunderbar in diesem Kriminalhörspiel, darunter Dörte Lyssewski, Anna Thalbach und Sylvester Groth. Es erscheint nur etwas unlogisch, das zwei Nebencharaktere mit russischem Akzent sprechen, wo doch die anderen in einwandfreiem Hochdeutsch reden. Eine Laune des Regisseurs? Wie dem auch sei, es ist zwar nicht nachvollziehbar, aber stört die Großartigkeit der Gesamtkomposition in keiner Weise.
Wunderbar unterlegt ist das Hörspiel mit einer Xylophon-Komposition, die sich durch die gesamte Geschichte zieht und am Ende in voller Länge zu genießen ist. Insgesamt ein unterhaltsamer, spannender und kurzweiliger Krimi - jedoch ohne wirklich nachhaltige Eindrücke „von der typisch russischen Seele" zu hinterlassen.