"Systematic chaos", das letzte Album war schwer verdaulich, zugegeben. "Black clouds" ebenfalls, allerdings irgendwo auf einer anderen Ebene. Aber den DT Fans ist das wohl klar, ja sie wären womöglich enttäuscht, wenn dem nicht so wäre. Alle anderen, die DT nicht kennen, muss gesagt sein, dass die 5 Herren zwar in der Progrockecke zu Hause sind, diesen jedoch mitunter mit einer gehörigen Portion Metal oder Hardrock mischen. Doch jetzt zum Gesamtpaket.
Zuerst mal die CD 1. 6 Songs mit fast 80 Minuten Spielzeit. Da ist man gewarnt.....Los geht's mit einem absoluten Kracher, "A nightmare to remember". Der Song geht ab wie die berühmte Feuerwehr, es rockt ohne Ende die ersten Minuten. Dann, im Mittelteil, ertönt eine wundervolle Gesangsmelodie, die DT aller Ehren wert ist. Das ist genau das, was DT ausmacht. Härte bis zum geht-fast-nicht-mehr, und dann ein gnadelloses Songwriting mit toller Melodieführung.
Es folgt "A rite of passage", sehr guter Song, fast radiotauglich mit seinem Riff. Alles in allem also etwas leicht verdaulicher.
Mit "Whiter" folgt dann die obligatorische Ballade, nichts weltbewegendes, aber doch ein schöner Song, der von LaBrie wunderbar vorgetragen wird.
"The shattered fortress" ist der schwierigste Song der CD. Obwohl ich die CD jetzt öfters gehört habe, ist der Wiedererkennungswert des Songs geringer als bei den anderen Stücken. Es ist auch nicht DER Riff oder Hook drin, der die anderen auszeichnet. Aber es kommt ja noch vielleicht....
Wer bis jetzt dachte: Mmmmh, nicht schlecht, der muss jetzt gut aufpassen. Denn mit den beiden letzten Songs setzen DT Massstäbe im Rockbereich.
"The best of times" ist für mich das absolute Highlight des Albums. Ruhig beginnend entwickelt sich der Song zu einem melodiösen, doch nie zu einem belanglosen oder zu eingängigen Song. Im Gegenteil: die Harmoniefolge erstaunt, doch nach 4-5 maligem Anhören denkt man sich, dass es genauso und auf keinen Fall anders sein musste. Klasse!
Den Abschluss bildet dann "The count of Tuscany". Hier wird jeder Fan bedient, ganz gleich ob er lieber die ruhigen oder die harten DT mag. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt, und Petrucciani spielt die Gitarre wie ein Gott.
CD 1 ist also aller Ehren 5 Sterne wert.
Die CD 2, mit 6 Coversongs von u.a. Queen, Rainbow und King Crimson ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. "Stargazer" von Rainbow gefällt mir sehr gut, ist treibend wie im Original und rockt wie Sau. "Dass sie von Queen 3 Songs aneinandergereiht von meinem Lieblingsalbum "Sheer heart attack" spielen, das erfreut mich sehr. Und dass sie sich so nah am Original gehalten haben, auch. Natürlich ist LaBrie nicht Mercury, aber der hat auf "Tenement funster" ohnehin nicht gesungen. Also auch hier, Daumen hoch. Am besten gelungen erscheint mit jedoch "Larks tongues in Aspic Pt. 2" von King Crimson. Vom Stil her, Progrock, passt dies am besten zu DT. Klingt fast besser als im Original, wahrscheinlich sogar genau so gut.
CD 3 enthält dann noch den kompletten Instrumentalteil von CD 1. Nette Idee, für alle die Instrumentalmusik mögen, oder vielleicht LaBries Stimme nicht mögen.
Alles in allem: für den Preis wird sehr viel geboten, besonders da die Qualität einwandfrei ist.