TY - Closer"
(Big Dada/Ninja Tune/Rough Trade)
Immer gut zu sehen, daß es noch immer Musik gibt, die nicht hemmungslos auf Marktgängigkeit getrimmt ist. Besonders in Sachen Hiphop haben sich in den vergangenen Jahren die Produktionen einem Quasi-Standard angenähert, der rechts und links des scheinbaren Ideals wenig Raum läßt. Umso erfreulicher ist es, daß es noch immer Labels und Artists gibt, die sich dem Dollar-Dogma ausdauernd widersetzen. TY ist deutlich hörbar kein Anhänger der Fraktion Gewinnoptimierung durch Konformismus". Der MC/Producer, der in der englischen Szene ein enormes Standing genießt, präsentiert sich in eigenwilliger Bestform und verläßt sich in Sachen Flow und Beats gediegen auf die Old School. Keine vielfältig gelayerten Sounds und Sample-Schlachten, sondern schlichte Beats und nach moderner Norm ungehobelte Rhymes. Obgleich thematisch vielfältig kommt TY auch nicht am typisch Genre-typischen Dauerbrenner Babes&Ladies" vorbei. Im Gegensatz zu vielen seiner amerikanischen Kollegen verfällt er aber hier nicht in die breitbeinige Pimp-Pose, sondern beläßt es bei augenzwinkernden Wortspielen der eher unverfänglichen Art. Soundmäßig könnte Closer" zweifelsohne auch in den 90ern erschienen sein. Die aufs Wesentliche reduzierten, Funk-infizierten Melodien lassen das vergangene Jahrzehnt hier mit sofortiger Wirkung wiederauferstehen. So ist es dann auch kein Zufall, daß sich mit De La Soul und Speech von Arrested Development gleich zwei Features von Größen dieser Zeit finden sind. Trotz des deutlichen Retro-Flavours wirkt die Scheibe zu keiner Zeit angestaubt und trotz größerer textlicher Inhalte haben die Tracks durchaus Party-Qualitäten, ein Umstand, der TY Live-Gigs quer über den Globus beschert hat. Mit Closer" wird er sich sicherlich auch hierzu Lande einen Namen machen.