Ein Medium für die Auseinandersetzung mit Filmen im Fach Englisch
Der Umgang mit bewegten Bildern im Unterricht findet bislang ' wenn überhaupt ' überwiegend auf didaktisch unbefriedigende Weise statt. Die Lernenden müssen sich zumeist mit einer lediglich frontalen Präsentation des filmischen Unterrichtsgegenstands begnügen, anhand der dann die komplette folgende Analyse ohne erneute bzw. individuelle Zugriffsmöglichkeit vonstatten gehen muss. Die Lernumgebung 'Close-Up' schließt diese Lücke für das Fach Englisch, indem sie einen individuell handelnden Umgang mit dem Medium und ein hohes Maß an Eigenaktivität und Gestaltungsmöglichkeiten in den Vordergrund stellt.
Inhalte
Zu vielfältigen Aspekten der Filmsprache bietet das Grundlagenwerk sowohl einen sehr umfassenden Wissenspool als auch fremdsprachendidaktisch durchdachte Formen des Zugangs zu diesem Wissen.
Dementsprechend sind die Inhalte durchgängig auf den drei Ebenen Tutorial, Awareness und Task organisiert.
Tutorials
In über 40 Tutorials erwerben die Lernenden ' ausführlich geleitet ' Wissen zu vielfältigen Aspekten filmischen Erzählens, sodass sie über das nötige Rüstzeug zur eigenständigen Analyse von Filmen bzw. Filmausschnitten verfügen.
Ein fundierter Übersichtstext führt jeweils zunächst in ein Thema ein und erläutert wichtige Fachbegriffe. Anhand von repräsentativen Filmbeispielen wird ein Sachverhalt zudem Schritt für Schritt anschaulich verdeutlicht.
Awareness
Auf der Ebene Awareness (ca. 40 Aufgaben) dient jeweils eine kleine, handlungsorientiert und weniger analytisch angelegte Aufgabe (z. B. assoziieren, vorgegebene Aspekte zuordnen) der ersten stärkeren Bewusstwerdung und Anwendung des Wissens.
Task
Mit komplexeren, mehr kognitiv, aber dennoch überwiegend kreativ-handlungsorientierten Aufgaben im Bereich Task (ca. 40 Aufgaben) wird eine größere Analysetiefe avisiert, bei der die Lernenden ihre Ergebnisse zumeist in einem Text festhalten.
Navigation
Die Navigation in der Lernumgebung bietet hohe Freiheitsgrade. Zwischen den drei Ebenen Tutorial, Awareness und Task kann jederzeit gewechselt werden. So sind die drei Ebenen sowohl horizontal als auch vertikal navigierbar:
' Die horizontale Vorgehensweise ermöglicht z. B. das sukzessive Durchschreiten von Tutorials, ohne eine Aufgabe auf der Ebene Awareness oder Task dazu zu bearbeiten.
' Die vertikale Navigation führt vom Tutorial zu einem Thema zur Ebene der Awareness bzw. der Task zu demselben Thema.
Die drei Ebenen sind vielfältig miteinander vernetzt und zudem reich mit Verweisen auf weiterführendes lexikalisches Wissen versehen. Die Bedienung an einem Whiteboard funktioniert problemlos.
Lexikon
Neben der kursorientierten Präsentation der Inhalte bietet 'Close up' zwei umfangreiche Lexika. Während in dem einen zu 190 Filmen Informationen z. B. zu Handlung, Filmteam und Erscheinungsjahr erhältlich sind, bietet das Lexikon 'Technical term' Definitionen und weiterführenden Hintergrund zu über 100 Fachbegriffen der Filmsprache wie z. B. Einstellungsgrößen, objektive Kamera, slow motion, teilweise mit handlungsorientierter Visualisierung (z. B. Erproben unterschiedlicher Kamerawinkel bei jeweils demselben Filmobjekt). Anschaulich nachvollziehbar werden die erläuterten Aspekte durch jeweils meist mehrere, direkt aus dem Artikel heraus aufrufbare Filmausschnitte, die exemplarisch in der Filmgeschichte sind (insgesamt 260 Ausschnitte aus 147 Filmen). Alle Einträge sind sowohl systematisch als auch durch eine Suche erschließbar.
Medienbox
Eine Besonderheit des Konzepts der Lernumgebung ist, dass alle Inhalte (Texte, Filme, Lexikoneinträge etc.) in speziellen Medienboxen auf dem Bildschirm dargestellt werden. Diese sind in der Größe veränderbar, editierbar und können auf dem Bildschirm frei bewegt und miteinander kombiniert werden.
Nach dem Anklicken erhält eine Medienbox im oberen Bereich eine 'Toolbar', über die die Inhalte sowie verschiedene Bedienfunktionen (z. B. kopieren, editieren, drucken) aufgerufen werden können. Bei der Darstellung von Filmen enthält die Box zudem einen speziell an die Anforderungen der Filmdidaktik angepassten Medienplayer. Dieser ermöglicht den Nutzern u. a. die Einzelbildsteuerung mittels Pfeiltasten, das Verändern der Abspielgeschwindigkeit und das Setzen von Markern.
Analysewerkzeuge
Für eine handlungsorientierte Filmanalyse besonders interessant sind die vielfältigen Analysewerkzeuge, die durch das Boxenkonzept an jeder beliebigen Stelle der Lernumgebung zur Verfügung stehen:
' Hilfslinien und geometrische Grundformen z. B. zur Identifikation von Symmetrieachsen oder zur Analyse der Bildkomposition;
' Zähler, mit denen Kompositionselemente z. B. Schnitte, Einstellungen nachvollzogen werden können;
' einen Farbkreis zur Analyse der Farbkomposition;
' ein integriertes Screenshotwerkzeug z. B. zur Erstellung eines visuellen Zitats oder zur Dokumentation von Arbeitsergebnissen;
' leere Schreibfelder für eigene Notizen;
' Paletten mit 86 speziell für das Produkt erstellten Visualisierungen von filmischen Mitteln und Techniken (z. B. two shot, set, location).
Darüber hinaus lassen sich auf einfache Weise eigene Medienelemente in die Lernumgebung einbinden (z. B. Ausschnitte aus DVDs, Arbeitsaufträge). Das ist besonders interessant für die freie Arbeit mit dem umfassenden Materialpool. Dazu bietet 'Close up' im Bereich 'Creative use' eine freie Arbeitsfläche. Mittels eines Materialienbrowsers lassen sich beliebige Inhalte aus der Lernumgebung hier einbringen. Zur Ergebnissicherung kann man ein solches Arrangement ausdrucken. Soll die Funktionalität erhalten bleiben (z. B. zur Vorbereitung von Arbeitsaufträgen für Lernende), lässt sich dieses auch speichern.
Bewertung
Inhaltlich bietet 'Close up' ein umfassendes Grundlagenwerk zu vielfältigen Aspekten der Filmsprache, das durch die Breite und überzeugende Systematisierung seiner Inhalte sowie durch die vielen exemplarischen Filmbeispiele, die wichtige Highlights der Filmgeschichte zeigen, überzeugt. Zielgruppe sind daher sicherlich nicht nur Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte im Englischunterricht, sondern auch Personen mit einem weitergehenden Interesse an diesem Thema.
Didaktisch verbindet die Lern- und Arbeitsumgebung in einzigartiger Weise kursorientiertes und selbständiges Lernen durch die Kombination von angeleitetem Lernen und die gleichzeitige Eröffnung von hohen kreativ-handelnden Freiheitsgraden. Dabei überzeugt vor allem die konsequente Ausrichtung auf eine handlungsorientierte eigene Analyse filmsprachlicher Aspekte sowie die vielfältige Vernetzung aller Materialien und deren Erreichbarkeit über verschiedene Pfade. Insgesamt sucht 'Close up' auch im anglo-amerikanischen Raum seinesgleichen.
Matthias Berghoff (Mediendidaktiker), Dezember 2010