Wer sich die neue CD des Cinematic Orchestra ("Ma Fleur") etwas genauer anschaut, stößt auf den Namen Patrick Watson. Der junge Mann aus Montreal in Kanada singt auf dem wunderschönen Triphop/Jazz-Album mit grandiosem Jeff-Buckley-Klang in der Stimme drei Songs.
Wer nun auch noch auf Import-Umwegen für teuer Geld "Close to paradise" erwirbt, kommt aus dem Staunen erst recht nicht mehr heraus. Ganz großes Kino ist das; supersensible, teils auch märchenhaft-verschrobene Tagträumer-Musik (ein Song heißt auch "Daydreamer"); orchestraler Pop, der allen Fans von Rufus Wainwright, Ed Harcourt, Duke Special, aber auch der Balladen von Tom Waits gefallen dürfte.
Einige Referenznamen sind schon gefallen. Vor allem an den viel zu früh gestorbenen Jeff Buckley erinnert dieses tolle Art-Pop-Album - Patrick Watson ist stimmlich wirklich so nah dran, es ist kaum zu glauben. Der 27-Jährige ist aber auch ein Meister des kunstvollen Arrangements: Streicher, ächzende Orgeln, scheppernde Bläser, Vaudeville- und Jazz-Rhythmen, Gospel-Zitate, Gitarren von lieblich bis rau, vor allem aber dieses von Patrick selbst gespielte wunderbare Klavier - und diese unfassbar intensiven Vocals.
Per Internet-Suche lässt sich in Erfahrung bringen, dass "Patrick Watson" eigentlich eine vierköpfige Gruppe ist (neben dem Namensgeber noch Simon Angell/Gitarre, Mishka Stein/Bass und Robbie Kuster/Drums). In der Tat klingt "Close to paradise" eher wie ein liebevoll zusammengepuzzeltes Band-Produkt als wie ein Solotrip.
Teilweise machen es Watsons Lieder dem Hörer mit ihren feinen Melodien leicht, manche der 13 Songs sind dagegen eher sperrig. Subtil, wie sie sind, verbergen die Stücke aber auch beim 20. Hören noch spannende Details. Wegwerf-Popmusik ist das nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass durch den Erfolg des Cinematic Orchestra auch die wunderbare Musik von Patrick Watson in Deutschland bald leichter zu kriegen ist. "Close to paradise" gehört schon jetzt zu den Entdeckungen des Jahres 2007 und sollte mehr als ein Geheimtipp sein.