Das erste deutschsprachige Buch zu Clojure (AFAIK) und das obwohl Clojure doch noch sehr in der Entwicklung ist. Dieses Buch beschäftigt sich mit Clojure 1.2 und es finden sich darin doch einige Unterschiede zu 1.1. Dass der Verlag das Risiko eingeht so ein Buch jetzt heraus zu geben auch wenn bei 1.3 nach einer neuen Auflage geschrien werden wird ist allein schon mal drei Punkte wert. Und auf diese drei Punkte möchte ich gerne noch viele drauflegen weil die Autoren ein wirklich empfehlenswertes Buch geschrieben haben. Sehr dicht - jede halbe Seite bringt etwas Neues. Der Beispielcode ist dank REPL kurz und prägnant - keine Seitenfüller die das Buch nur umfangreicher machen. Keine banalen Erklärungen über die Programmierung im Allgemeinen und ihre Bedeutung in der Schöpfung. Humor knapp in den Zeilen der Beispiele versteckt aber nicht ablenkend im durchgehend sehr verständlich dennoch präzise geschriebenen Text.
Als Zielgruppe gibt das Cover vor "* Java-Programmierer *Studierende der Informatik". "Java-Programmierer" ist eine notwendige Voraussetzung, und das könnte deutlicher herausgestellt werden. Es ist eine ausgesprochene Stärke von Clojure, dass es auf die Java Standardbibliothek zugreift. Die wird aber in diesem Buch nicht besprochen. Wie man Dateien liest und schreibt, wie man GUIs programmiert, wie man einen String in Großbuchstaben setzt - das alles muss der Leser aus Java mitbringen. Es reicht also nicht, allgemeine Programmierkenntnisse mitzubringen sondern es müssen Java-Kenntnisse sein. Für den Java-Programmierer ist das wohl ein Vorteil - er hat die entsprechenden Bücher zuhause und weiß, wo man das im Netz nachschlägt.
Sehr kurz fasst sich das Buch auch mit dem Programmierumfeld. Wie man Clojure installiert und zum Laufen bringt? Zitat: "Da aber die jeweiligen Communities ihre Projekte zurzeit zügig weiterentwickeln, ist die Einrichtung einer solchen Umgebung in aktualisierbaren Dokumenten im Internet deutlich besser aufgehoben als in Buchform. Im weiteren Verlauf gehen wir daher davon aus, dass eine solche Umgebung vorhanden ist." Meiner Meinung nach machen es sich die Autoren damit ein wenig leicht. Ein bisschen darüber was Maven und Leiningen sind, wofür man sie braucht und wie man sie anwendet oder was man auch ohne sie machen kann wäre nicht ganz verkehrt gewesen.
Andererseits wird die Multicore-Programmierung ausführlich dargestellt, die Zusammenarbeit mit Java in beide Richtungen und es werden Design-Entscheidungen im Vergleich zu anderen Lisps angerissen - das alles auf kaum über 300 Seiten und für einen sehr bezahlbaren Preis.