Wer sich mit den vielseitig verwendbaren Kletterrosen vertieft beschäftigen möchte, sei auf das jüngste Werk des britischen Autors Quest-Ritson hingewiesen. Es wird wohl für die nächsten Jahre das Standardwerk über die Kletterrosen bleiben. Quest-Ritson und seine Frau Brigid sind beide stark in der Royal National Rose Society engagiert, insbesondere in deren Historic Roses Group. Quest-Ritson hat schon einige Bücher über Gärten veröffentlicht, darunter auch das exzellente Werk The English Garden: A Social History (Penguin / Viking-Verlag 2001).
Mit dem Titel Climbing Roses of the World macht der Verfasser klar, dass er den anglozentrischen Standpunkt der Werke von G. A. Stevens (1933) und Graham Stuart Thomas (1965) durch einen umfassenderen, möglichst globalen zu ersetzen gedenkt. Er hat sich nichts weniger vorgenommen als die rund 1600 bekannten Kletterrosen zu beschreiben und zu bewerten. Er schränkt indessen ein, dass er wenig über die Kletterrosen Chinas zutage zu fördern vermochte. Auch ist es immer ein schwieriges Unterfangen, die jüngsten Neueinführungen zu erfassen.
Das über 300seitige Buch basiert, wenn es um Geschichte und Klassifikation der Kletterrosen geht, auf ausgedehnten Recherchen und berücksichtigt auch neueste Forschungsergebnisse. Zugleich bemühte sich Quest-Ritson, möglichst jede beschriebene Rose in natura zu studieren und sich nicht auf Urteile anderer zu verlassen. Er war auch für die meisten der 200 sehr brauchbaren Farbfotografien besorgt. Die Rosen werden nach Klassen geordnet vorgestellt, mit Angaben zu ihrer Geschichte. So erfährt man nebenbei auch einiges über die Züchter der kletternden Schönheiten. Die einzelnen Spezies und Sorten werden recht genau beschrieben. Markante Vor- und Nachteile werden erwähnt, gelegentlich ergänzt durch nützliche Hinweise. Ein kurzes Kapitel zur Pflege der Kletterrosen schliesst das Buch ab. Zur Frage, wie man Kletterrosen schneiden soll, äussert sich Quest-Ritson provokativ knapp: „Es gibt nur zwei Regeln: 1. Im Zweifel nie. 2. Schneiden Sie nur, wenn Sie wollen." Und zur Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zitiert er einen berühmten englischen Rosenzüchter: „Ich beginne Ende Oktober und hoffe, dass ich bis Ostern fertig bin." Man sieht, auch der British humour kommt nicht zu kurz ...
Dr. Herbert Frei-Schindler, Zürich