Wer hätte das noch vor vielleicht 5 Jahren gedacht: Die 80er, das "peinlichste Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts" (nicht in meinen aber in den Augen vieler selbst-ernannnter Zeitkritiker) erlebt ein durchdringendes Revival quer durch die Medienlandschaft. Und noch erstaunlicher: Was zunächst lediglich die Basis für NDW-Parties, süffisante "Generation Golf"-Bücher oder Schenkel-klopfende Kalauer-Fernsehschows stellte gipfelt heute in einer durchaus ernst gemeinten Wiedergeburt der Popmusik Ästhetik meiner geliebten 80er.
Womit wir auch schon beim Thema wären.
Client sind ein Damenduo, die sich dem minimalistischen, puren Synthisound der ganz frühen 80er verschrieben haben.
Auf ihrem gleichnamigen Debutwerk, das beim Andy Fletcher-Label "Toast Hawaii" erschienen ist, bescheren sie dem geneigten Mit-30er so manches Déjà-vu-Erlebnis. Darin finden sich zum Beispiel Spurenelemente von Anne Clark, Ultravox, Boytronic oder auch mal (ganz zart) ein wenig DAF. Im Gesamtbild jedoch nicht als reines Plagiat sondern als durchaus eigenständiger Cocktail aus Instrumentals, supermonotonen 2-Akkord-Nummern mit halb gesprochenen Texten sowie hochmelodischen Disco-Tracks mit dem obligatorischen, oktavierten Achtelbass aus dem legendären Minimoog Synthi. Einfach nur geil, damals wie heute! :-)
Eigentlich wäre die Scheibe auch 5 Sterne wert, wenn ich nicht den Eindruck hätte: Sie können es noch besser!
Die Ladies hängen IMHO ein wenig zu voller Ehrfurcht an dem Sound und den Vorbildern von vor 20 Jahren. Wenn sie es geschafft hätten, mit der gleichen Instrumentierung noch mehr *eigenen* Retrostil zu kreieren, wären sie für mich persönlich DIE Entdeckung des Jahres 2003. Obwohl sie das im Prinzip auch so schon sind...