"Eine Katze kommt nicht, wenn sie eingeladen wird. Sie taucht auf, wenn sie gebraucht wird." Eine bessere Einleitung hätte es nicht geben können und das Buch lässt von Anfang an keinen Zweifel, dass in diesem Satz eine Menge Wahrheit steckt.
Ich bin alles andere als ein Katzenfan. Ich mag die Tiere, aber bevorzugt, wenn sie woanders leben. Wer hinter Cleo nun einen reinen Tierroman vermutet, liegt vollkommen daneben. Dieser Gedanke könnte besonders auch durch das - wenn auch schöne - Cover ausgelöst werden. Aber, wie erwähnt: Fehlgedanke!
Cleo, ein hässliches Kätzlein, ausgesucht von Sam, der stirbt, bevor das Tier in seiner Familie Einzug halten kann und welches dann entsprechend so überhaupt nicht mehr willkommen ist. Doch wenn so ein Tier erst einmal da ist, lässt es sich so schnell nicht mehr vertreiben. Hat es dann den Sprung ins Herz geschafft, ist eh alles zu spät. Das müssen auch die "verwaisten Eltern" einsehen und haben mit Cleo ein neues Familienmitglied, welches zu Robs (Bruder des verstorbenen Jungen) bester Freundin und auch von Rata, der alten Retriever-Dame, sofort ins Herz geschlossen wird.
Ich war sehr angetan von dem wundervollen Schreibstil, den die Autorin an den Tag gelegt hat. Ich habe mich in keiner einzigen Zeile, in keinem einzigen Kapitel gelangweilt, war nicht ein einziges Mal der Katzengeschichten müde und immer wieder aufs Neue erstaunt, welch wunderbare Gabe Helen Brown hat, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, mit diesem wunderschönen Buch ihre Trauer zu verarbeiten und dem Leser das Glück vergönnt ist, daran teilhaben zu dürfen wie auch an der Zeit danach. Ein wahres Schreibtalent, dem es gelungen ist, so anschaulich zu schreiben, dass man sich die Szenen wie im Film vorstellen konnte, dabei aber die unglaubliche Gabe besitzt, sich nie in zu endlosen Details zu verlieren. Herrlich!
Darin eingebettet keine Beschönigungen, die üblichen Vorwürfe einer verletzten Mutter, die ihr Kind verloren hat, kritische Selbstzweifel, der Versuch, die Trauer, den Schmerz zu überwinden, der tägliche Balanceakt, nicht "vom Seil" zu fallen, weil auch noch andere Anspruch auf einen haben. Und doch alles so gut in Worte verpackt, dass man nie den Kopf schüttelt angesichts gewisser aggressiver Gefühle, sondern stets bejahend nickt in dem authentischen Gefühl: Ja, ich kann es verstehen!
Auch Nicht-Katzenfreunde werden an diesem Buch sehr viel Freude haben. Nicht selten erwischte ich mich dabei, dass ein eigenes Gefühl von Freude mich erwärmte angesichts der Möglichkeiten, die so ein kleines vierbeiniges Wesen der Familie geboten hat, um über ihre Trauer hinwegzukommen... daneben natürlich auch noch zweibeinige Wesen ;-)
Ich sollte vielleicht noch anfügen, dass es auch für Helen und ihre Familie natürlich ein Leben "danach" gibt. Wie verläuft die Ehe? Wie geht der kleine Bruder mit dem Verlust um, die Nachbarn, die übrige Familie etc.? Haben die Partner die Stärke, dem Schicksal zu trotzen, um für ihre anderen Verpflichtungen, die den weiteren Jungen, da zu sein? Wie geht das Leben jedes Einzelnen weiter? Ich möchte nicht zu viel verraten, aber zum Schluss hin gibt es sogar Szenen, wo man herzlich lachen kann. Cleo spielt dabei eher eine untergeordnete (bis gar keine) Rolle.
Also noch einmal: Es ist kein reines "Katzenbuch", sondern die authentische Geschichte eine Familie, die ihren neunjährigen Jungen auf tragische Weise verloren hat und nun wieder versuchen muss, ins "normale Leben" zurückzufinden. Wirklich sehr sehr schön. Eines der ganz wenigen Bücher, die ich niemals verkaufen würde, allenfalls verleihen, um jemanden aufzumuntern...
Anschaffung lohnt sich!
Volle Punktzahl und Gratulation an den Verlag, der diesen wunderschönen Roman veröffentlicht hat.