- Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
- Verlag: Haymon Verlag (2000)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3852183294
- ISBN-13: 978-3852183299
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.994.396 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
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Sechs Autor/innen widmen sich in ausführlichen Essays zu insgesamt sieben Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Ob Holzmeisters Sakral- und Memorialbauten in Deutschland, sein Schaffen als Regierungsarchitekt der Türkei, seine Tourismusbauten Tirols oder sein Leben zwischen Kunst und Politik ganz allgemein: Alle Themen werden auf zugängliche Weise behandelt und man hat das Gefühl, man bekommt eine Geschichte erzählt, die gerade jetzt erlebt wird -- und genau das macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Jeder Text eröffnet einem ungeahnte und sehr persönliche Zugänge zu diesem Architekten, der die Lösung von Bauaufgaben als "künstlerische Verpflichtung" ansah. Doch natürlich gibt es neben Texten auch etliche Bilder, die den Leser/innen das Oeuvre dieses Mannes näher bringen. Die vielen Fotos, Skizzen, Entwurfspläne und Abbildungen von Modellen -- sehr schön sind die Tonmodelle -- sprechen ihre eigene Sprache und der unverwechselbare Zeichenstil Holzmeisters entführt in die (teilweise leider nicht ausgeführten) Welten seiner Ideen und Projekte.
Einige berühmte und einflussreiche Bauwerke werden besonders herausgestellt. Die Rolle der beiden Kirchen St. Peter in Mönchengladbach-Waldhausen und St. Adalbert in Berlin als Grundsteine des modernen Kirchenbaus wird ebenso untersucht wie der Auftrag Kemal Atatürks, ihm ein Palais zu bauen. Der fertige Palast spricht die klare Formensprache der Moderne -- im Gegensatz zur damals üblichen lokalen Bauweise der Türkei -- und ist so "ein Vorbild für die Emanzipation des Ostens". Clemens Holzmeister: Ein Mann, der in politisch aufgewühlten Zeiten seine Hauptwerke schuf und durch seine Zeit im türkischen Exil einen ganz besonderen Stil begründete -- ein Mann, der ein bewegtes Leben führte und dessen Geschichte sich liest wie ein spannender Abenteuerroman. --Sandra Neumayer
Ausstellung des Architekten Clemens Holzmeister in Innsbruck
Seine Spuren sind fast omnipräsent in Österreich; und doch sind Werk und Wirken des Architekten Clemens Holzmeister (18861983) nur wenigen bekannt. Eine derzeit in Innsbruck gezeigte Ausstellung pointiert in höchstmöglicher Konzentration die Unwägbarkeiten im Lebenswerk des «Staatsbaumeisters», der nicht nur ein Jahrhundert der Wechselfälle durchquert, sondern auch architektonisch mitgestaltet hat. Nach der grossen Wiener Retrospektive, die die Akademie der bildenden Künste 1982 kurz vor Holzmeisters Tod zusammengestellt hat, ist dies die erste Schau, die sein Gesamtwerk fokussiert: Um ein uvre von rund siebenhundert Projekten auf begrenztem Raum darstellen zu können, übte man sich in der Tugend asketischer Reduktion. Dabei beschränkt sich die Innsbrucker Schau auf einige ästhetische Konstanten: Zu sehen ist eine Architektur, die obwohl modern in ihrer kubischen Erscheinung sowie sachlich in ihrer Funktionalität und Lichtdramaturgie dennoch traditions- und lokalbewusst blieb, indem sie sich auf die gebaute und natürliche Umgebung bezog.
Besonders deutlich wird dies in den Hotelbauten wie dem «Tre Cime» in Sexten (192934) oder dem «Post» in St. Anton am Arlberg (192729): Gebäude von hoher Funktionalität, die den Alpinstil nicht als Dekor und Verkleidung zitieren, sondern fundamental inkorporieren: in Bauweise, Werkstoff sowie im effektvollen Auftritt auf der Bühne der Landschaft. Schlichtheit und Eleganz verschwistern sich im Kurmittelhaus von Bad Ischl (192731) und in der ländlich entspannten Sachlichkeit der Villa Eichmann am Attersee (1927/28). Das zugehörige hölzerne Bootshaus illustriert anschaulich, wie selbstgewiss sich Holzmeisters Baukörper einerseits formal behauptet, andererseits in die Szenerie integriert. Solche Wahrnehmungsfähigkeit und Beweglichkeit des Geistes, die das Einpassen des architektonischen Artefakts in (Bedeutungs-)Räume impliziert, offenbart auch das Krematorium auf dem Wiener Zentralfriedhof (192123), das als erster Monumentalbau des «roten Wien» die Karriere des katholischen Tirolers begründet hat: Die Feuerbestattung, von den Sozialdemokraten als kulturkämpferische Pointe gegen die Kirche in Anschlag gebracht, verliert in der architektonisch allusiven Geste jeden aggressiven Agnostizismus.
Wurde das Formenvokabular dieses Bauwerks von Zeitgenossen als «babylonisch», «indisch» oder gar «gotisch» interpretiert, so gelangt hier ein Moment zur Kenntlichkeit, welches als «Stimmungsarchitektur» zum Leitmotiv von Holzmeisters uvre wird: von der Repräsentationsrhetorik des Regierungsviertels für Atatürk in Ankara (192763) über das «Thingspiel»-Raunen des Albert-Leo-Schlageter-Denkmals in Düsseldorf (1931) bis hin zum Aspekt des Gesamtkunstwerks der Salzburger Festspielhäuser. Holzmeisters Streben nach Theatralik und raumgreifender Dramaturgie entfaltete sich konsequent im Verhältnis zur Macht Kirche, Ständestaat, Republik , verwahrte sich jedoch konsequent gegen ideologische Konzessionen.
Mit einer gediegenen Dokumentation und neuen Forschungsbeiträgen wagt sich das Katalogbuch an die Sondierung der komplexen Beziehungsgeschichten von Baukunst und Politik. Die sorgfältigen historisch-ästhetischen Studien zur Tourismusarchitektur (Marena Marquet) sowie zum Sakral- und Memorialbauwerk (Christian Fuhrmeister, Herbert Muck) formulieren ein schlüssiges Plädoyer für den produktiven Dialog von Architektur- und Zeitgeschichte.
Christiane Zintzen
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