Robert C. Martin schreibt aus seiner jahrelangen Praxis für die Praxis anderer. Und was - in seinen Augen - einen Profi ausmacht.
In dem Buch finden sich alte Bekannte aus meiner NLP-Ausbildung (Stichwort "Zielformulierung") wieder, genauso wie das Dauerthemen Nein-Sagen (hier ausnahmsweise auch um das Ja-Sagen ergänzt!).
Der Autor spickt die Kapitel mit Erzählungen aus seinem persönlichen Projekt-Werdegang, aber auch mit Beispiel-Dialogen, die er dann geschickt variiert um zu dem von ihm jeweils beschriebenen Profi-Verhalten zu kommen.
Das Buch liest sich - bis auf ein paar Übersetzungs-Schnitzer - recht flüssig. Alte Hasen werden vieles wieder- anderes auch neuentdecken können. Ein Buch, das zu lesen sich lohnt - und sei es nur als Auffrischung dessen, was man intuitiv vielleicht eh schon praktiziert hat.
So sehr der Inhalt auch gefällt, ist die Kindle-Edition jedoch eine kleine Schande für diesen Inhalt:
Wie an anderer Stelle bereits ausgeführt, ist ein Kindle für Fachbüchern - außer dem Gewichtsvorteil - nur bedingt tauglich. An Fachbücher geht man ganz anders heran als an Belletristik, man springt zwischen Kapiteln, sucht im Index oder Inhaltsverzeichnis etc. - ein Fachbuch ist eher Nachschlagewerk denn Lesebuch, um es mal salopp zu formulieren.
Bei der Art Fachbuch wie es sich hierbei handelt mag das vielleicht nicht so stark zutreffen wie bei Büchern über Frameworks, Programmiersprachen und dergleichen - zumindest beim ersten mal Lesen.
Will man in der Kindle-Edition jedoch das eine oder andere Kapitel noch einmal lesen, stellt man verblüfft fest, dass der Verlag darauf verzichtet hat, dem Werk ein Inhaltsverzeichnis zu spendieren.
Der Verlag hat hier m.E. schlampig gearbeitet, im GoTo-Menü ist der Table-of-Contents ausgegraut. Man muss sich also mühevoll durchblättern, Bookmarks setzen oder nach Stichworten suchen, in der Hoffnung, dass die Streuung der Treffer nicht zu groß ist.
Im Hinblick auf die eher schwierige Kombination Kindle + Fachbuch-Navigation ist dies in meinen Augen zwischen Schlamperei und Armutszeugnis angesiedelt. Von Adison Wesley bin ich Besseres gewohnt
Inhalt erhält von mir 5 Sterne die Kindle-Edition 3 Sterne
Nachtrag:
Der Inhalt an sich fördert in zunehmendem Maße weitere Elemente ans Tageslicht, die sich aus NLP herleiten, z.B. die Formulierung wohlgeformter Ziele.
Was ich dem Autoren persönlich ankreide ist seine Ansicht, dass Tests den Programmcode dokumentieren - in der Praxis wird das von vielen dahingehend missverstanden, kein Javadoc oder Ähnliches mehr zu schreiben.
Aber Hand aufs Herz: wie viele Entwickler lernen JDK oder .NET über die Unit-Tests, und wie viele arbeiten mit den (zumindest in Java) wohldokumentierten Schnittstellenkontrakten in Javadoc.
Der Autor sollte vielleicht zwischen der Dokumentation WIE der Code arbeitet und der Dokumentation von Schnittstellenkontrakten unterscheiden.
Es gibt im Text (speziell bei einigen Dialog-Beispielen) Passagen, wo der Zeilenumbruch nicht funktioniert - man muss auf den kleinsten Schriftgrad stellen, um die Zeilen komplett lesen zu können (oder das Display quer verwenden).
Ein weiteres Manko der Kindle-Edition, die ihren Preis in keinem Fall wert ist.