- Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
- Verlag: Henschel Verlag; Auflage: 2 (1999)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3894873337
- ISBN-13: 978-3894873332
- Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 3,6 cm
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Produktinformation
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Die einen liebten und bejubelten Peymann, für die alteingesessenen Theatergänger war er der Lieblingsfeind, der für den unmittelbar bevorstehenden Niedergang des Burgtheaters verantwortlich zu machen war. Sogar das halbe (österreichisch-angestammte) Burgtheaterensemble verweigerte sich schmollend. Aber Peymann selbst, das "piefkinesische Großmaul", genoss die österreichische Erregung, die jede seiner Uraufführungen und Premieren in seiner 13 Jahre währenden Wiener Ära begleitete, mit unverhohlenem Vergnügen.
Peymanns Weg von der Hamburger Studentenbühne über die Stationen Frankfurt, Stuttgart, Bochum und Wien bis hin zum traditionsreichen Berliner Ensemble (1999) ist eine abenteuerliche Reise durch die deutschssprachige Theatergeschichte nach dem Krieg, gespickt mit Aufruhr und Skandalen allerorten: Von der "Publikumsbeschimpfung" in Frankfurt über die "Notlichtaffäre" bei den Salzburger Festspielen, der "Zahnspendenaffäre" in Stuttgart im Zusammenhang mit der RAF, bis hin zum berühmt-berüchtigten Zeit-Interview. Theatergeschichte wird hier zur spannend erzählten Zeitgeschichte.
Roland Kobergs Biografie wird der farbigen Figur Peymanns mehr als gerecht. Mit liebevollem Spott und leiser Ironie schöpft Koberg aus dem reichen Fundus an Peymannschen Anekdoten und Kuriositäten und trifft damit genau den Tonfall, der den "Welttheaterkünstler" charakterisiert. Roland Koberg, Theaterredakteur der Berliner Zeitung, hat ausgehend von persönlichen Erfahrungen mit Peymann am Wiener Burgtheater (als Statist und als Regiehospitant) nach eigenen Angaben versucht, die zahllosen Peymann-Anekdoten "ein bisschen zu sortieren" -- herausgekommen ist eine detailliert recherchierte, äußerst komplexe und sehr amüsante Biografie über Leben und Werk des Theatermachers C. P. --Pia Maria Breuss
Ein Heldenepos: Claus Peymanns Biographie
Endlich ist Claus Peymann ein Held: die Hauptfigur des Abenteuerromans, den Roland Koberg aus seiner Lebensgeschichte macht. Ganz gleich, ob man je etwas über ihn gehört oder von ihm gesehen hat, ganz gleich auch, ob man sich für Theater interessiert oder nicht. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist unterhaltsam wie Peymann selbst. Der Autor, ein in Österreich geborener Theaterkritiker aus Berlin, beginnt mit dem aktuellen Stand der Dinge. Claus Peymann ist gerade von Wien nach Berlin gekommen und Intendant des Berliner Ensembles geworden; nicht, dass dieser Wechsel nicht schon seit drei Jahren feuilletonistisch beschrieben worden wäre. Aber nett ist es schon, dass gerade jetzt und aus der Stadt auch noch ein Buch den Theaterdirektor empfängt und das Publikum mit Hintergrundwissen versorgt.
Es beschreibt nicht etwa ein Leben, das sich bereits, wie es gern euphemistisch heisst, erfüllt oder gerundet hat, sondern eines, von dem noch viel zu erwarten sei: Die Verweise auf die Zukunft und die Neugier, die der Porträtist seinem Modell entgegenbringt, kommen der Vitalität dieser Biographie zugute. Er füttert sie mit schönen Anekdoten und bunten Figuren: Peymanns Wegbegleiter, Freunde und Feinde werden mit sorgfältiger Aufmerksamkeit bedacht. Sie gewinnen Gesicht und Kontur und helfen, seine Gestalt gleichsam ex negativo zu definieren. Eine grosse Anzahl noch innig vertrauter oder schon halb vergessener Namen findet sich in diesem Buch, das mit seinen Stück- und Inszenierungs- und Ereignisbeschreibungen unterderhand nicht nur zum kleinen Theaterbrevier wird, sondern ganze Ausschnitte deutscher Nachkriegs-Kulturgeschichte klug raffend rekapituliert. Es feiert seinen Helden nicht als grossen Einzelnen, sondern zeigt, in welcher Weise sich dieser den Zeitläuften und den sie prägenden Menschen fügte oder widersetzte.
Von den Schauspielern, die den Herrn der Bühnen über die Jahre, Städte und Länder begleiteten, sind illustrierende und bissige Bemerkungen überliefert, ebensowenig werden die bedeutenden Figuren hinter den Kulissen vergessen, die Dramaturgen, Bühnenbildner und schliesslich auch das grosse Unbekannte, das jeweils zeitgenössische Publikum. Ganz nebenbei enthält diese Biographie immer wieder Bemerkungen oder Geschichten über den Umgang ihres Protagonisten mit der Macht. An solch heiklen Stellen zeigt sich, dass sich der Autor seinem Gegenstand keineswegs auf Knien nähert; insgesamt aber nicht ganz ohne ironisch verbrämte Andacht.
Wir lesen über Hans Henry Jahnn, der den angehenden Theatermann beeindruckte und inspirierte, über Peymanns delikates Verhältnis zu Peter Handke und sein schwieriges und inniges zu Thomas Bernhard, als dessen «teuerster» Regisseur er mindestens unsterblich werden wird. Das Kapitel über Peymanns Jahre als Intendant des Wiener Burgtheaters beginnt nicht etwa chronologisch (wie überhaupt Koberg sich gelegentlich nicht scheut, die Zeitabfolge der Ereignisse dramaturgisch effektvoll umzustellen), sondern mit dem Höhepunkt: «Der 4. November 1988», erzählt er, «war der wunderschönste Tag im Leben des Burgtheaterdirektors Claus Peymann. An diesem Tag wurde Heldenplatz von Thomas Bernhard uraufgeführt.» Eine dreiviertel Stunde habe der Applaus, der Peymann so viel bedeutet, gedauert. «Thomas Bernhard zeigte sich zum letztenmal in der Öffentlichkeit. Im blauen Nicki, mit einem Lächeln, das ein bisschen glücklicher, ein bisschen weniger verschmitzt aussah, als es ihm vielleicht recht war, winkte er ins Publikum . . .»
Die grossen Momente, vor allem aber die vielen, zum Teil berühmten Streitereien, die erlittenen und selbst provozierten Skandale lässt Koberg Revue passieren. Zwar ist nicht neu, dass sich Peymann mit Kampf- und Streitlust über die Mittelmässigkeit, aber auch über blosses Künstler- und Intendantentalent erhob, das ebensogut unter weniger Lärm blühen kann: sich die Geschichte seiner Schlachten noch einmal en détail vorzunehmen, ist trotzdem nicht ohne Reiz. Herablassung und pointierte Häme, mit deren Hilfe Peymann und die Theaterdirektoren ähnlichen Ranges sich jahrzehntelang gegenseitig medienwirksam angifteten (und es immer noch tun), werden getreulich und süffisant hinterbracht. Blühender Klatsch macht den Leser zum lachenden oder staunenden Dritten.
Keine Frage, dass bei diesem story-lastigen Verfahren das Bild einer Figur kaum psychologisch ausdifferenziert erscheint. Die Leerstellen von Hypothesen und Spekulationen kann jedermann nach eigenem Belieben füllen oder offenlassen. Der Akzent liegt auf der Beschreibung äusserer Begebenheiten warum auch nicht? Ein Abenteuerroman eben: vor allem einer, der (schon im Untertitel) andeutet, dass auch in einer verwalteten Welt der Rentenversicherungen und Schmerztabletten Abenteuer überhaupt noch zu bestehen und wundersame Wege noch zu beschreiten sind; ein gewisses Mass an Heldentum vorausgesetzt.
Marion Löhndorf
Aus ihrer zweibändigen, im Zsolnay-Verlag erschienenen «Weltkomödie Österreich» lesen Claus Peymann und sein Dramaturg Hermann Beil heute Samstag um 20 Uhr im Theater am Kirchplatz, Schaan (Liechtenstein), und morgen Sonntag um 17 Uhr im Neumarkt-Theater, Zürich.
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