Nein, man muss den Inspektor Lavardin nicht mögen, ich denke sogar, dass Chabrol darauf aus war, ihn umMÖGlich sein zu lassen! J.Poiret - in "Hühnchen in Essig" und "Inspektor Lavardin oder die Gerechtigkeit" - gibt der Figur ein autoritär-obsessives, dabei auch durchaus aggressives "Aroma", das perfekt zur im Drehbuch vorgegebenen Fülle der Anmaßungen, Grenzüberschreitungen (bis hin zu Brutalitäten), Arroganz passt. Eine Charakterdarstellung, die diesen Namen wirklich verdient!
"Masken" ist ein schönes Noiret-Tableau, gleichwie Lavardin/Poiret eine Charakterzeichnung von hoher Kunst, wobei Noiret - anders als Poiret - seine Charakterdarstellung übers Mimische und über stimmliche Modulationen schafft: Sein Repertoire an Tönen und *Masken* ist ebenbürtig den darin ganz Großen, den Guinness, Sellers, Nicholson.
Über Chabrols thematische Vorlieben (fast könnte man von "idée fixe" sprechen) muss nicht viel gesagt werden, diese drei Filme bilden keine Ausnahme von der generalthematischen Demaskierung bzw. Demontage klein-, mittel- und großbürgerlicher Lebenslüge, welche das jeweilige auch wirtschaftliche Fundament ihrer Existenz bildet. Immer bedient sich Chabrol eines "Katalysators" in Form eines Angegriffenen eines zufällig Involvierten, eines "reinen Toren" ober ähnlichem.
Ich persönlich halte "Hühnchen in Essig" für den stärksten der drei Filme dieser Kassette, weil er formal, poetologisch, am genauesten ist: Die ganze Handlung wird aus einem einzigen "archimedischen Punkt" heraus entwickelt, der bereits in der ersten Szene des Films angelegt ist. Darüber hinaus hat HiE den Vorzug exzellent verkörperter Nebenrollen - was bei Chabrol nicht immer vorkommt.
"Masken" hat deutliche Buchschwächen, ist aber immer noch solide Chabrol-Ware *plus* genannter Noiret-Bravour.
"Insp. L. o. d. Gerechtigkeit" kann sich nicht entscheiden zwischen "Das Biest muss sterben"-Reprise und Whodunit A.Christie'schen Zuschnitts. Das Bemerkenswerteste dieses eher unterdurchschnittlichen Films ist - neben schon besagter Großleistung J.Poirets - das verschmitzte 'oder' im Titel...