Tamarind ist nicht gerade ein Planet in der Liga Freier Welten, dessen Name dem Normalbürger geläufig ist, und das muss er auch nicht sein. Kein HPG, nur eine einzige Weltraum-Funkstation, ein kleiner Raumhafen, eine unterbeschäftigte Miliz, diverse Wirtschaftsprobleme und kaum etwas ausserhalb der Hauptstadt Tamarind City, was einer weiteren Erwähnung bedarf. Dennoch rückt diese Welt ins Zentrum des Interesses einer religiös-fanatischen Vereinigung, deren Mitglieder teilweise sehr großen Einfluss im Marik-Reich besitzen und keine Skrupel haben, diesen auch für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. Doch was befindet sich eigentlich Wichtiges auf Tamarind, das den Sturz der gesamten Marik-Regierung verursachen könnte? Und gibt es überhaupt noch jemanden, der diese sorgfältig und monatelang geplante Aktion aufhalten kann?
Man spürt gleich zu Anfang, dass die deutschen Battletech-Neulinge Hermann Ritter und Erik Schreiber (Co-Autor) ihr Handwerk verstehen, und ihre Geschichte in einem guten und flüssigen Schreibstil rüberbringen können. Auch die Überschriften der einzelnen Kapitel sind teilweise recht pfiffig gewählt. Die Namen der Akteure jedoch weniger, so dass man sich einige davon nur schlecht merken kann.
Die Story an sich fängt sehr gut und auch spannend an, mit diversen Schilderungen, wie auf Tamarind nach und nach verschiedene Schläferagenten erwachen und ihre Aufträge ausführen. Dabei wird von einer handelnden Person zur anderen gewechselt, was, nebenbei bemerkt, ebenfalls sehr flüssig vonstatten geht, und wodurch man auch verschiedene Perspektiven der Ereignisse präsentiert bekommt. Ausserdem eröffnet sich dem Leser erst nach und nach der Sinn der einzelnen Aktionen, ohne dass er bisher den Gesamtzusammenhang überblicken kann, wodurch zusätzliche Atmosphäre geschaffen wird.
Nach dem ersten Drittel des Buches (also nach ca. 80-100 der insgesamt 298 Seiten), das man grob als "Einleitung" verstehen kann, springt der Roman dann des Öfteren zwischen der aktuellen Handlung auf Tamarind und verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit hin und her, wobei man unter anderem auch mehr über die Hintermänner der ganzen Operation, ihre Pläne und Motive erfährt.
Ab diesem Punkt, wo man als Leser nun die Hauptpersonen und Hintergründe kennen gelernt hat, und die eigentliche Geschichte losgehen kann, verliert der Roman leider etwas an Schwung. Nachdem die Schläfer und anderen Agenten ihre Aktionen durchgeführt haben, und dabei größtenteils erfolgreich waren, kehrt so ziemlich alles wieder in eine gewisse Normalität zurück. Die folgenden Arbeiten und Planungen der Hauptpersonen im "Untergrund" werden zwar immer noch in einem guten Schreibstil präsentiert, vermissen jetzt aber leider etwas an Spannung, Action, Konflikten oder überraschenden Wendungen. Es wird zwar nicht wirklich langweilig, aber streckenweise ein wenig langatmig, weil man den Storyverlauf meistens vorhersehen kann. Das färbt dummerweise auch auf den Schlussteil des Buches ab, denn wenn es gegen Ende dann wieder losgeht, vermag der Funke nicht mehr so recht überzuspringen. Der Leser bleibt daher etwas unbefriedigt zurück, vor allem weil auch der Endkampf nicht gerade besonders beeindruckend dargestellt wird.
Ein weiterer Punkt ist, dass es in dem Roman per se keine Battlemechkämpfe (und daher auch nur sehr wenige Battlemechs) gibt. Ein paar kurze Rückblenden, ein Simulatorgefecht, aber das war's dann. Daneben begehen die Autoren auch noch einen Battletech-Fauxpas par excellence: Nachdem der eigentliche Mechpilot eine Minute vorher ausgefallen ist, steigt jemand völlig anderes ins Cockpit und legt sofort los! Ohne dass der Neurohelm auf ihn eingestellt wurde (was ja einige Zeit dauert), und ohne dass er innerhalb von Sekunden durch Gleichgewichtsverwirrung ohnmächtig zusammenbricht. Natürlich würde die Story ansonsten nicht ganz funktionieren, aber zumindest hätten die Autoren sich an einer Erklärung versuchen können, anstatt den Fans einfach so diesen groben Bruch mit den Battletechgrundsätzen hinzuknallen. Hier kommt klar raus, dass sie wirklich Neulinge auf diesem Gebiet sind, was sich auch darin niederschlägt, dass auf die Sensorpflaster an Armen und Beinen des Piloten ebenfalls komplett verzichtet wurde.
Was mir dagegen wieder sehr gut gefällt sind die stimmungsschaffenden Zitate und Textausschnitte über jedem Kapitel, die mehrfach auch aus der Zukunft des Buchzeitrahmens stammen, zwei sogar aus den Jahren 3605 (und nein, das ist kein Fehler) und 3618. Ein echter Fehler ist natürlich, dass einmal (!) im ganzen Roman "Alfred" mit "Albert" betitelt wird, was ich aber jetzt nicht negativ auslegen würde. Unstimmigkeiten in den Verwandschaftsbeziehungen zwischen den Charakteren bestehen jedoch keine, das ist alles ausreichend und klar beschrieben. Schön ist auch, dass im Glossar mal wieder ein paar Mechbilder gezeigt werden, sogar passend zum Romaninhalt.
Insgesamt gesehen ist "Früchte voll Bitterkeit" eine an sich ganz gute Publikation, die aber leider über ein paar Schwächen stolpert. Dies sind hauptsächlich der recht flache Spannungsbogen im Mittelteil, der auch gegen Ende nicht mehr richtig abgefangen werden kann, und das Fehlen von echten (Battlemech-) Kämpfen. Der Neurohelm-Grundsatzfehler ist beim Debütantenstatus der Autoren gerade noch zu verzeihen, und mit dem guten Schreibstil und dem vielversprechenden ersten Drittel hätte man aus diesem Buch auch leicht einen 4-Sterne-Kandidaten machen können. Im Endeffekt reicht es aber dann doch nur zum dreisternigen Mittelfeld.