Aus der Amazon.de-Redaktion
Die schwarze Koloratursopranistin Kathleen Battle hat es sich und anderen nicht immer leicht gemacht, sei es aus emotionaler Unsicherheit, vielleicht auch mangelnder Klugheit. Wenn ihr das Essen auf dem Hotelzimmer nicht schmeckt, beschwert sie sich beim Musikveranstalter und nicht beim Personal. An Aufführungstagen beantwortet sie Telefonanrufe nur durch Löffelschläge ans Wasserglas. Ein Klick bedeutet "Ja". Nach einem Auftritt an der San Francisco Opera druckte die Backstage-Crew sogar T-Shirts mit der Aufschrift: "I survived the Battle". Und vom Generalmanager der New Yorker Met, Josef Volpe, wurde sie 1994 wegen "unprofessioneller Handlungen" gefeuert, nachdem sie das ganze Haus tyrannisiert hatte. Zum Abschied drückte ihr damals die Kollegin Carol Vaness in Anwesenheit des gesamten Ensembles die Hand mit den Worten: "Mit Ihnen zu arbeiten, war die schrecklichste Erfahrung meines Lebens. Es wird nie wieder geschehen". Das Metropolitan-Ensemble applaudierte.
Die Folge: Kein Opernhaus von Bedeutung mehr, das sie noch engagiert, und sie muss durch die Konzertsäle mit Solo-Recitals ziehen. Dabei beherrscht sie immer noch den großen Auftritt und auch ihre Stimme hat an ihrer seidig-glänzenden Leichtigkeit und zarter Mädchenhaftigkeit nichts eingebüßt, wie auch diese Aufnahme wieder belegt. Das Programm besteht aus einer Mischung aus Arien und Liedern von Puccini, Mozart, Händel, Bach und volkstümlichen Weisen sowie Arrangements. Immer noch weiß sie leuchtende Stimmmagie zu verströmen; es gelingen ihr Stellen von berückender Schönheit, ihre Pianokultur besonders in unteren Bereichen ist erlesen. Nur da wo es dramatisch wird, wird ihre Stimme etwas dünn und wirkt angestrengt. Undeutliche Artikulation und Wortverständlichkeit tun ihr Übriges. Fazit: Es sind nicht immer Fehler, Abnutzungserscheinungen oder andere stimmliche Versagen, die zu Einbrüchen in großen Sängerkarrieren führen. Umso tragischer für Kathleen Battle. --Teresa Pieschacón Raphael