Nachdem sich ja schon das letzte CBT-Buch "Über dem Gesetz" mit dem Arbeitsbereich von James Bond befasste, findet die Handlung dieses Romans abermals im gleichen Genre statt, nur diesmal mit vier Agenten statt mit einem einzigen. Und gegenüber dem "CBT-Bond" aus dem letzten Roman, dessen Qualität von Kapitel zu Kapitel schwankte und auch interessante Sternenbundpolitik beinhaltete, präsentiert sich "Die Albatros-Akte" durchweg in einem gleichbleibenden Stil ohne thematische Wechsel.
Aber erstmal die Story:
Während das Lyranische Commonwealth sich mit seinen Nachbarn im Krieg befindet und die meisten Streitkräfte an der Front beschäftigt sind, entscheidet in einer etwas im Hinterland liegenden Raumregion ein Archonet, unrechtmässigerweise seinen Herrschaftsbereich auszuweiten. Dabei benutzt er jedoch ausschliesslich Panzer und konventionelle Bodentruppen, schafft es aber trotzdem auf mysteriöse Weise und ohne eigene Verluste, jede Opposition, vor allem Battlemechs, aus dem Weg zu räumen. Beim LNC, dem Lyranischen Nachrichten Corps, kursieren bereits Gerüchte um eine "Superwaffe" in der Hand der Archonets, und so wird ein Team aus 4 Agenten in die Region geschickt, um einerseits die Superwaffe zu neutralisieren, und andererseits fremde Parteien davon abzuhalten, Informationen darüber zu erlangen. Denn in den falschen Händen könnte dies unter Umständen das Ende des Battlemech-Zeitalters bedeuten.
Der Ausgangspunkt der Story ist sehr ordentlich und verspricht einiges an Spannung, vor allem weil es ja um ein so tiefgreifendes Thema geht, welches das gesamte BT-Universum gefährden könnte (im Endeffekt wissen wir zwar, das es das nicht wirklich tut, interessant ist es aber trotzdem). Und auch das Agententeam scheint aus originellen Charakteren zu bestehen, mit denen man eine sehr farbenfrohe Geschichte erzählen könnte. Genau, könnte. Denn bei der Umsetzung des Ganzen hakt es leider etwas.
Zunächst einmal wird die Stimmung des Romans grösstenteils von fehlendem Realismus, oder besser gesagt, von fehlender Ernsthaftigkeit geprägt. Es wirkt alles im Grunde wie ein grosses Spiel, was auch von dem lockeren Umgangston zwischen den Hauptcharakteren und den immer mal wieder sehr passenden Zufällen unterstrichen wird. Es klappt alles, es gibt kaum unvorhersehbare Wendungen im Lauf der Geschichte, und selbst wenn, kommt man doch ohne grössere Probleme wieder auf den richtigen Weg. So wirklich spannend wird es daher leider nicht. Und der grosse Bösewicht ist ebenfalls etwas platt und farblos aufgebaut, sogar der Autor selbst beschreibt ihn als jemandem mit einem "vergesslichen Durchschnittsgesicht". Und dass er jetzt alle Battlemechs hasst, weil sein Sohn in einem umgekommen ist, sprüht ebenfalls nicht gerade von Originalität. Die "Liebes"-Beziehungen zwischen den Hauptcharakteren sind wohl dazu gedacht, ihnen etwas mehr Menschlichkeit zu geben. Ob einem das gefällt, ist Geschmackssache, zumal es teilweise ein wenig übertrieben wird, aber als störend habe ich es nicht empfunden. Eine wunderhübsche, aber lesbische Agentin ist dabei natürlich eine interessante Abwechslung, denn sowas hatten wir im BT-Universum bisher noch nicht.
Was mir dagegen besonders gut gefallen hat, ist der Abstecher in die Waffengattung der gepanzerten Bodenfahrzeuge, denn bisher war es einem BT-Leser so gut wie nicht vergönnt, mal in einem Panzer mitzufahren und Einsätze aus dem Blickwinkel seiner Besatzung mitzuverfolgen. Der exotische Sprungpanzer "Kanga" hat dabei aber leider nur einen sehr kurzen Auftritt.
Alles in allem ist die "Albatros-Akte" noch ok, aber kein Roman, den ich einem "Casual Reader" empfehlen würde. Falls es eine Fortsetzung gibt, werde ich die als BT-Fan natürlich ebenfalls lesen, aber ich werde sie sicher nicht mit Spannung erwarten. Insgesamt vergebe ich mal 3 Sterne, real aber eher 2,7.