Unmelodisch, uninspiriert, zu elektronisch, nuancenlos? Ganz im Gegenteil. Wer natürlich erwartet, dass ein Soundtrack Filmmusikgeschichte schreiben muss, damit man ihn als gelungen bezeichnen darf, der sollte sich überlegen, welche Messlatte er bei Bewertungen setzt.
Die Musik von Ramin Djawadi begleitet die Filmszenen elegant, pathetisch, mitreissend und - was vielleicht überraschen mag - teilweise auch ruhiger, als vielleicht vordergründig erwartet wird. Auch wenn der Komponist aus der Hans-Zimmer-Schule kommt, so wirken seine Stücke nicht wie Kopien des grossen Mentors. Man hört auch nicht wie bei Klaus Badelt's Fluch der Karibik-Soundtracks, dass Zimmer ständig seine Finger drin hat. Djawadi ist durchaus eigenständig und mutig genug, einen nicht nur mainstream-hitparadentauglichen Soundtrack abzuliefern (spannendes Beispiel: das beklemmend-ruhig gehaltene "Medusa"). Die wenigen elektronischen Effekte werden z.B. bei "Scorpiox" hervorragend eingesetzt, mit viel Sinn für Dramatik und Rhythmik.
Djawadi schafft es, den Film mit seinem Soundtrack kongenial zu unterstützen. Er verleiht ihm zwei eindringliche, heroische Leitthemen, die aber nur gezielt eingesetzt werden, um nicht langweilig zu werden. Der Rest stellt sich ganz in den Dienst des Filmes und unterstützt die Szenen unauffällig, aber effektiv. Das ist gut hörbar, abwechslungsreich, braucht aber etwas Offenheit, um die vielen gelungenen Momente auch wirklich erkennen zu wollen. Wer mit zu hohen Erwartungen und vorgefassten Meinungen an dieses Werk geht, tut im m.E. unrecht. Und was Vergleiche mit anderen Filmen angeht, so ist dieser Soundtrack hier weitaus origineller als Horner's wiedergekäute Auftragsarbeit für Avatar. Dort findet sich nicht annähernd ein so emotional packendes, heroisches Leitmotiv, wie es in "Release the Kraken" zu finden ist. So verschieden sind die Geschmäcker...