Nach Alben wie "Reptile" oder "Back home" hatte ich keine hohen Erwartungen an Claptons neuestes Studiowerk - und war sehr angenehm überrascht! Der selbstbewusste Titel läßt vermuten, dass Eric Clapton sein erstes Studioalbum seit 5 Jahren selber zu Recht für gelungen hält, selbst wenn er nur bei einem Song (Run back to your Side) mitgeschrieben hat; es ist auch das erste, auf dem er als Koproduzent verantwortlich zeichnet. Popsongs wie auf vorangegangenen Alben wird man hier vergebens suchen, es ist sehr bluesig ausgefallen, allerdings springt der Blues einen nicht so an wie auf "Me and Mr. Johnson", "Sessions for Robert J" oder gar "from the cradle", dafür ist die Platte zu entspannt und atmosphärisch; zudem sorgen einige Nummern mit leichtem Jazz- (Rocking Chair, How deep is the Ocean, Autumn Leaves) oder gar Dixieland-Touch (My very good Friend the Milkman, That's no Way to get along, When somebody thinks you're wonderful) für angenehme Abwechslung. Travelin' alone hatte Clapton bereits seit einer Weile im Tourprogramm, und in Hard Times Blues spielt er sogar Mandoline.
Auf "Clapton" sind neben Veteranen wie Allen Toussaint (p) und Jim Keltner (dr) einige Musiker aus Claptons aktuellen Tourbands dabei, allen voran Doyle Bramhall II (g), der mit Clapton koproduzierte, sowie Willy Weeks am Bass. Die beiden Duette mit J.J. Cale, River runs deep (mit kurzen, witzigen Rückwärtsgitarrenpassagen) und Everything will be alright, halte ich für gelungener als vieles auf ihrem 2006er Gemeinschaftswerk "The Road to Escondido". Weitere prominente Gäste sind Wynton Marsalis (tp), Derek Trucks (g) und Sheryl Crow (voc), die sich allesamt songdienlich einfügen, was ebenso für die Bläser und das London Session Orchestra gilt. Herausgekommen ist ein inspiriertes, homogenes, nachdenkliches und gleichzeitig zuversichtlich klingendes Clapton-Album mit warmem Sound, das offenbar auf sehr organische Art und Weise entstanden ist und sich mit keinem seiner bisherigen Alben vergleichen läßt. Audiophile Hörer schließlich wird freuen, mit wie wenig Kompression die Produktion auskommt.
Eric Clapton muss sich schon seit langem nichts mehr beweisen, Radiohits finden sich hier keine, das spielt aber auch keine Rolle: das kompositorische Niveau der 14 Songs ist erfreulich hoch, es ist kein einziger Ausfall zu verzeichnen, und alle beteiligten Musiker hatten hörbar Spaß beim Musizieren. Ich stelle mir vor, dass, wenn man dieses Album während einer langweiligen nächtlichen Autofahrt hört, sich später dennoch gerne an diese erinnern wird. "Clapton" ist das erste Studioalbum seit "Journeyman" vor über zwanzig Jahren, das mich auf hohem Niveau durchgehend überzeugt. Ich glaube, ich habe ein neues Clapton-Lieblingsalbum.