Ich habe "Clangründer: Abkehr" mit gemischten Gefühlen in die Hand genommen, unsicher, was mich erwarten würde. Denn schliesslich wird in diesem Roman eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste historische Ereignis des Battletech-Universums behandelt, und ich hatte die Befürchtung, dass das Buch diesem Standard nicht gerecht wird. Doch ich wurde nicht enttäuscht!
Die Story wird durchweg aus dem Blickwinkel von Andrej erzählt, dem jüngeren der zwei Söhne des grossen Exodus-Generals Alexandr Kerensky. Bills geht dabei sehr stark auf Andrejs Gedanken und Gefühle ein, was für einen BT-Roman zwar eher ungewohnt ist, aber den Leser auf diese Weise tief in das Geschehen miteinbezieht und ihm den Charakter von Andrej sehr nahe bringt.
Obwohl die persönlichen Probleme von Andrej (mit seinem Vater, seinem Bruder Nicholas, seiner Umwelt und auch mit sich selbst) meistens im Vordergrund stehen, ist er als Kerensky trotzdem sehr mit der übergeordneten Handlung verknüpft, auf die eine oder andere Weise. Man bekommt viele wichtige Ereignisse sogar aus erster Hand mit, geprägt durch die Wahrnehmung unseres Protagonisten, was dem ganzen eine angenehm persönliche Note verleiht und einem das Gefühl vermittelt, wirklich dabei zu sein.
Die Geschichte ist dabei nicht direkt fortlaufend und springt öfters mal um mehrere Monate oder gar Jahre nach vorn. Dabei werden immer wieder Schlaglichter und wichtige Momente aus Andrejs Leben vorgestellt, die gleichzeitig auch als Dreh- und Angelpunkte des geschichtlichen Verlaufs fungieren oder auf ihre eigene Art die Stimmung der allgemeinen Situation einfangen. Zum Beispiel erlebt Andrej aus nächster Nähe mit, wie sich an Bord der völlig überfüllten Raumflotte langsam eine Rebellion unter den darbenden und hungernden Zivilisten entzündet, oder wie in den Strassen der Hauptstadt von Eden ein gewalttätiges Chaos ausbricht.
Wer allerdings reisserische Action und grossangelegte Mech- und Raumgefechte erwartet, wird enttäuscht, denn trotz der dichten Handlung wird auf solche Beschreibungen meistens verzichtet. Fehlen tun diese Dinge dem Roman jedoch nicht, vielmehr würden sie eher billig und plakativ wirken, da sie dem hohen Niveau des Buches einfach nicht entsprechen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass der Roman den Erwartungen, die man wegen dem Gewicht seines historischen Themas an ihn stellt, mehr als gerecht wird. Seine Form ist zwar etwas ungewöhnlich und mag vielleicht nicht jedem Leser gefallen, aber im Endeffekt ist es gerade das, was dem Buch seinen speziellen Reiz verleiht. Besser hätte man diesen Roman meiner Meinung nach kaum schreiben können.
Die einzige Kritik lässt sich an der manchmal etwas fehlerträchtigen Übersetzung üben, ansonsten warte ich gespannt auf den nächsten Teil der Clangründer-Reihe.
Achja: Das Umschlagsbild bezieht sich zwar nicht direkt auf einen geschriebenen Teil des Buches, ist aber trotzdem sehr passend in Szene gesetzt.