Aus der Amazon.de-Redaktion
Manu Chao, Sänger der französischen Splatterethno-Kapelle Mano Negra schwingt sich mit seinem Solowerk
Clandestino (=heimlich, illegal) auf die boomende Cubawelle, entführt den fast zwangsweise geneigten Hörer an einen Strand in Mexiko und drückt ihm einen musikalischen Caipirinha allererster Güte ins Ohr.
Cool swingende Melodien, mit hohem technischen Einsatz perfekt einfach gehalten, bestimmen das Album vom ersten bis zum letzten Song. Der Gesang wechselt zwischen spanisch, französisch und englisch, und sprüht vor südamerikanischem Charisma, wobei die Inhalte eher sozialkritische Themen beinhalten wie den Ausverkauf von Tijuana an den Tourismus. Mit "Bongo Bong" findet sich sogar ein Cover des Reißers "King Of Bongo" von Mano Negra, dessen ursprüngliche Rauheit allerdings durch ein smoothes Synthiegeplänkel ersetzt wird, so dass der Wiedererkennungswert gering bleibt, was der Qualität jedoch keinen Abbruch tut.
Eine Scheibe, die der Welt gefehlt hat, Jung und Alt liegen sich seelig in den Armen und träumen mit mindestens einer zuckenden Gliedmaße von einer Fiesta in Mexiko. Warnung: Diese CD kann süchtig machen. Wer seine Sammlung weiterhin genießen möchte, sollte vom Erwerb dieses Produktes Abstand nehmen! --Felix von Vietsch
SPEX
Auf den ersten Check eine Platte für einschmeichelnde Atmo aus dem Nebenzimmer, schon beim zweiten Durchhören ein düsteres Werk. Gebaut aus minimalen Latin- und Roots-Loops, einer akustischen Gitarre und der Stimme von Manu Chao, der manchen noch als Sänger der franko-hispanischen Agitpopband Mano Negra in Erinnerung sein mag. Auf seiner Festplatte treffen sich Miguel Matamoros, Bob Marley und Subkomandante Marcos zu einer Tüte Sommergras. Aber die Stimmung schlägt um, denn ihre Köpfe sind schwer angesichts des Elends ihrer Völker. @Normal:Manu Chao ist galant, er besingt die Ausgewiesenen und Ausgebeuteten als eine schöne Frau, die er zum Tanzen auffordern möchte. Für diejenigen, die des Spanischen nicht mächtig sind hier die ersten Zeilen aus dem Titelstück: ªIch gehe allein mit meinem Schmerz / Allein geht meine Strafe / Laufen ist mein Schicksal / Um das Gesetz zu täuschen / Verloren im Herz / Der großen Stadt Babylon / Sie nennen mich Clandestino / Weil ich keine Papiere habe´. ªAfricano clandestino / Marijuana ilegal´ heißt es im Chorus, und zu einer Mischung aus mexikanischer balada und kubanischem son quäkt der Sirenensound eines jener Spielzeuge, welche die illegalen afrikanischen Einwanderer an spanischen und französischen Stränden feilbieten. Überhaupt streut Chao die Samples wie Fetzen von aufrührerischen Flugblättern unter seine Riddims: Von Gibraltar bis Rio, und wenn es um die verlorene Liebe geht, auch mal von seinem Anrufbeantworter. Das Album ist (unter anderen) der EZLN und der Caravane des Quartiers gewidmet. Und es ist zum Heulen schön.
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