Da "Claire of the moon" ja scheinbar auf der Standard-Liste der L-Filme, die man unbedingt gesehen haben muß, ganz oben steht, kam ich nicht umhin, eben dieses zu tun.
Angeblich handelt dieser Film von der Reise einer Frau zu ihrer sexuellen Identität. (Daher auch die FSK16.) Claire und Noel, zwei Schriftstellerinnen, teilen sich während eines Autorinnenworkshops ein Apartment. Beide sind -wie es in solchen Filmen ja fast immer der Fall ist- vollkommen unterschiedlich. Gemeinsam mit einem scheinbar ebenfalls vollkommen bunt gemischten Haufen von verschiedensten Frauen(Stereo)typinnen diskutieren sie über Syntax und Liebeskummer. Als Noel sich bei einem diesen Literaturabende als lesbisch outet, meint Claire, die sie vorher überhaupt nicht ausstehen konnte, sich auf einmal sexuell zu ihr hingezogen zu fühlen. Die Frage, die sich in diesem Film ab dann (etwa Minute 30) stellt, ist dann auch nicht mehr, OB beide Frauen miteinander im Bett landen (denn von wirklicher Liebe, Leidenschaft oder Hingabe kann leider wirklich nicht die Rede sein), sondern WANN. Und bis dahin muß man noch weitere 60 Minuten endlos lange Kamerafahrten über brandende Wellen, bedeutungsschwangere Blicke und pseudofeministisches Gelaber (jawoll!) über sich ergehen lassen, alles musikalisch unterlegt von einem Klavierscore, der sich krampfhaft bemüht, romantisch zu sein.
Die Figuren sind durch die Bank weg klischeebeladen: es gibt die robuste Butch um die 45, die spinnerte Esoterikerin, die brave Hausfrau, das egoistische Luder Claire und die verklemmte Intellektuelle Noel und natürlich eine diesen Klischees angemessene Schwarz/Weiß-Trennung zwischen den sexuell unbefriedigten und spießigen Heteras und den ach so feministisch-emanzipierten Lesben. Dabei repräsentieren all diese Figuren ihre Stereotypen so offensichtlich, daß das dazugehörige (pseudo)emanzipatorische Gerede nunmehr Kopfschmerzen bereitet.
Hinzu kommt, daß man auch ohne großartige Kenntnisse von Filmsprache und Kameraeinstellungen und deren Bedeutung ziemlich schnell den Eindruch gewinnt, als wollte Regisseurin Nicole Conn einen Softporno drehen, sich aber letztlich nicht getraut und das ganze dann lieber in diese übertrieben künstlerisch angehauchte Handlung verpackt. Man braucht sich nur mal die entsprechenden Filme im Nachtprogramm anzusehen, um diese Kamerafahrten und -schwenke zu sehen. Hinzu kommt noch eine ziemlich steife und auch akustisch eher sterile Synchronisation, so daß man wirklich bald glaubt, in einem Softcorefilm gelandet zu sein.
Ab in die Tonne damit!