Grundaussage des Buches: "Die alten Griechen konnten die Komplexität des Lebens mit den Augen sehen." (erster Satz) Heute dagegen ist unser Leben von einer "mächtigen, weitgehend unbeachtete(n) Angst davor, sich 'preiszugeben'" geprägt, die sich im Bild unserer Städte spiegelt. Die "Mauer zwischen Innerlichkeit und Aussenwelt". Sennet beschreibt hier zum zweiten Mal, nach seiner "Tyrannei der Intimität", wie die Gesellschaft und das Stadtleben unter der zunehmenden Individualisierung leidet. In diesem Buch geht er dem Zusammenhang der Gestalt und der Struktur einer Stadt und beschriebener Entwicklung nach. Sennet beschreibt z.B. den Aufbau eines römischen Kastrums: "Grenzen werden nie ohne Beziehung zur Ordnung des Universums gezogen, denn die decumani werden parallel zur Bahn der Sonne angelegt, während die cardines der Himmelsachse folgen." Am Schnittpunkt beider: das Forum (=Zentrum). In der Neuzeit dann: "Der Platz hörte auf, Zentrum zu sein; er bildete nicht mehr den Bezugspunkt für die Erschliessung von neuem städtischen Raum." Das Gitter breitete sich grenzenlos aus und es gab kein Zentrum mehr: "neutralisierter Raum" als "Spielfeld des Kapitalismus". Das Raster im Städtebau ist eines seiner beliebtesten Feindbilder. Er wünscht sich von den Stadtplanern "schlechte Kunst", den nur sie sei human. Sobald Räume und Orte nicht dafür genutzt würden, wofür sie vorgesehen sind, erhielten sie Charakter. Unterschied, Diskontinuität und Desorientierung: Sennet beschreibt eine Möglichkeit, diese Eigenschaften der Stadt positiv zu nutzen, und zwar im Gegensatz zu den Dekonstruktivisten, die zwar die gleiche Diagnose stellen, jedoch jegliche Suche nach Humanität oder Ethik ablehnen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)