Die Civilization-Reihe, seit vielen Jahren ein Garant für gehobene Computerspielunterhaltung, ist seit Version 4 in der Welt der 3D-Optik angekommen und erfreut den Spieler mit durchaus sinnvollen Erweiterungen des bewährten Spielprinzips wie Kultur oder verschiedenen Religionen.
Dem Hauptprogramm wurde jetzt ein zweites Addon mit dem schönen Namen Beyond the sword" spendiert, dessen Inhalte so vielfältig wie vielseitig sind. Zumindest was die integrierten Mods angeht, die man über das Hauptmenü aktivieren kann. Jetzt ist es beispielsweise auch möglich, ein Volk durch zukünftige fiktionale Zeiten zu führen und mit entsprechenden Einheiten wie Battlemechs und Cyborgs Krieg gegen unliebsame Nachbarn zu führen. Oder man besiedelt gleich das Weltall und kolonisiert ganze Sternensysteme oder man vereint als Kriegsfürst das zerrüttete Mütterchen Russland wieder zu einer glücklichen Nation oder kämpft gegen gruselige Zombies oder.... oder.....
Auch der Spielverlauf wurde nochmals ein wenig aufgebohrt. Neue Features wie die Kapitalgesellschaften, die ganz nach dem Vorbild der Globalisierung eigene Außentellen auf der ganzen Welt eröffnen können, neue Weltwunder, zusätzliche Nationen und zu erforschende Techniken stehen auf der einen Seite, neue Ereignisse wie Minenunglücke, Wetterkatastrophen und Miniquests (z. B. Baue zwölf Rittereinheiten und kassiere eine Belohnung) auf der anderen.
Die verschiedenen Szenarien machen wirklich Laune auch wenn es mal ein wenig grotesker als üblich zugeht (meiner Erinnerung habe ich noch nie in einem Civilizationsspiel wandelnde Untote mit Strahlenkanonen pulverisiert) und geben diesem Addon zumindest vom spielerischen Standpunkt aus gesehen durchaus seine Daseinsberechtigung. Genau in diesem Punkt zieht nämlich die erste für das Hauptprogramm erhältliche Erweiterung namens Warlords" im direkten Vergleich zum zweiten Addon doch recht eindeutig den Kürzeren.
Wo es Licht gibt, gibt es aber bekanntermaßen auch Schatten und leider bleibt davon auch einer meiner ewigen Favoriten der Computerspiele nicht davon verschont.
Spielt man die Kartengröße riesig und erkundet die Umgebung, sackt recht schnell die Performance in den Keller. Auch das Rücksetzen der Grafikwerte bringt hier nur eine unzureichende Linderung des Problems. Ein E6600, 2GB RAM und eine 8800 GTS sind plötzlich mit einer Engine überfordert, die erstens nicht mehr ganz frisch ist und zweitens optisch nur unmerklich verbessert wurde. Darüber hinaus kommt es mir so vor, dass die KI nicht nur verbessert wurde, sondern auch über ein paar Vorteile verfügt, die sich nicht mit der Spielmechanik vereinbaren lassen.
Dadurch steigt der allgemeine Schwierigkeitsgrad, was nicht unbedingt schlecht sein muss, dafür kommt es aber zu Frustmomenten für den Spieler. Nur ein Beispiel: Mein Nachbar im Süden mit seinen fünf Städten unter seiner Kontrolle erklärt mir plötzlich den Krieg. Soweit ja nicht schlimm, da die Kameraden in der technischen Entwicklung hinterherhinken und wesentlich schwächer aufgestellt sind als meine Nation (schenkt man zumindest der Rankingliste im Spiel Glauben). Dann passiert folgendes: Der Gegner überrennt meine Städte auf breiter Front über mehr als zwanzig Runden lang mit Dutzenden von unterlegenen Einheiten. Es kann schon mal vorkommen, dass in einer Runde über dreißig feindliche Einheiten (Kriegselefanten und ähnliches) an meiner verschanzten Infanterie scheitern, nur um in der nächsten Runde denselben Ansturm nachrückender Einheiten wieder zu erleben. So wird meine Verteidigung schließlich zermürbt, da ich im Gegensatz zu meinem Gegner nicht Dutzende neuer Einheiten pro Runde produzieren kann, um sie dann gegen den Feind zu werfen. Als Spieler stellt sich mir nun folgende Frage: Wie kann die KI mit den paar Städten unter seiner Kontrolle deutlich mehr als eine Einheit pro Runde pro Stadt ausbilden und wie funktioniert das finanziell. Dem lieben Geld wird in diesem Addon nämlich endlich die Bedeutung zugemessen, die es auch im wahren Leben verdient, zumindest auf Spielerseite. Die finanziellen Mittel fließen eher spärlich, zu schnelle Expansion zehrt beispielsweise die Reserven der Staatskasse schnell auf. Das führt wiederum zu einer verlangsamten Forschung und damit zur technischen Rückständigkeit und dies bedeutet über kurz oder lang die militärische Niederlage. Fragen über Fragen. Nachdem ich ein paar mal frustriert in die Tischkante gebissen hatte, stellte ich den Schwierigkeitsgrad im nächsten Spiel eine Stufe niedriger ein. Das ramponierte zwar meinen Spielerstolz ein wenig aber meine Nerven wurden dafür deutlich geschont. Auch kommt es ab und an zu unmotivierten Abstürzen des gesamten Systems, so dass nur der Druck auf die Resettaste den Rechner wieder zum Leben erwecken konnte. Darüber hinaus kann man auch schon den ersten Patch aus dem Internet saugen, den ich natürlich schon vor dem ersten Spiel installiert hatte. Das entwickelt sich so langsam zu einer sehr ärgerlichen Unart der Entwickler/Publisher. Gegen Fehlerbehebung an sich ist nichts einzuwenden, die ist im Gegenteil sogar lobenswert aber das Produkt zu veröffentlichen und zeitgleich einen Patch ins Netz zu stellen ist eher Murks als Produktpflege zu nennen. Neben diesen Ungereimtheiten ist das Programm aber eine mehr als lohnenswerte Erweiterung des Hauptprogramms, die eine Menge Spaß bringt und das Herz eines jeden Civ4-Fans höher schlagen lässt