Dass eine Katastrophe wie die Zerstörung seiner Heimatstadt und das fast völlige Versagen der Politik bei deren Schutz den Mann, der wie kein anderer für New Orleans und seine unvergleichliche Musiktradition steht, nicht kaltlassen konnte, war klar. Dass Dr. Johns neues Album deshalb untypisch politisch und zornig geworden ist, kann deshalb nicht wirklich überraschen. Textlich geht es von bitter (The road to the White House is paved with lies") und zornig (nothing but promises and empty words") zu aufrüttelnd (save our wetlands"). Musikalisch regiert auf The City That Care Forgot (ein bitteres Wortspiel, denn Care heisst hier nicht nur Sorge sondern auch Fürsorge) natürlich wieder seine bewährte Mischung aus all den wunderbaren Stilrichtungen des (früheren) Big Easy, von Jazz über Soul zu Funk, mit klassischen N'awlinz-Rhythmen, der superben Lower 911 Band und vielen Gästen, darunter Eric Clapton (sehr gut) und Willie Nelson (etwas deplaziert). Allerdings ist der Vibe etwas düsterer als sonst, aber das kann bei einem alten Voodoo-Meister ja auch nicht wirklich überraschen und passt zu den Texten. Einzelne der durchwegs ausgezeichneten Nummern herauszugreifen wäre nicht sinnvoll, denn The City That Care Forgot will als Ganzes gehört und gewürdigt werden, als liebevolle und wichtige Hommage an eine Stadt die, verwüstet und im Stich gelassen, doch niemals untergehen kann, solange sie so von Musik erfüllt ist wie dieses berührende und aufrüttelnde Album.