Allein das Cover ist fatal irreführend und wer das Duo Dyer und Hassan zuvor in "Dead Man Running" gesehen hat wird definitiv auf eine falsche Fährte gelockt!! Tatsächlich vermag aber auch der Klappentext keinen richtigen Überblick oder Eindruck zu vermitteln.
Daher sei gewarnt, dieser Streifen ist weit entfernt von einer charmant witzigen Gauner Studie wie man sie vermutlich erwartet.
"City Rats" ist vielmehr eine kritische Sozialstudie in Short Cuts Manier und beleuchtet das Leben einiger ziemlich trauriger Individuen und deren Überlebenskampf im Londoner Alltagsdschungel.
Sehr stimmungsvoll, aber passend trist zugleich werden die Charachtere durch ihre Geschichten begleitet.
Danny Dyer mimt einen hoffnunslosen Alkoholiker und Ex-Knacki, der sein tristes Dasein in einer heruntergekommenen Burgerbude fristet (und hier wollen wir wirklich niemals etwas essen!!!) bis er unwillkommenen Besuch der Mutter eines alten und nunmehr sehr toten Freundes bekommt, die widerum einen sehr großen, konsequenz-tragenden Gefallen einfordert.
Tamer Hassan spielt täglich mit dem Gedanken sich selbst vom Dach eine Hochhauses zu stürzen, übt derweil aber erstmal die Effektivität seines Vorhabens mit Wassermelonen um dann kurz vor der eigentlichen Tat auf dem Nachbardach eine Gleichgesinnte zu entdecken und den Seelenretter zu spielen.
Seine "Seelenverwandte" widerum plagt das Leben, da ihre Liebe unerfüllt blieb (ACHTUNG KLEINER SPOILER!) und setzt ihren Plan nach einer Liebesnacht mit Hassan in die Tat um.
Der Bruder eines authistischen jungen Mannes erkennt dessen Homosexualität und versucht ihm eine Liebesnacht mit einem Mann zu verschaffen. Dabei muß er langsam erkennen, dass er selbst die gleiche Neigung hat obwohl er sich dies weiterhin nicht eingestehen will.
Ein junger Künstler verehrt seine Nachbarin, eine junge, irische Hure ohne Beine, als seine absolute Muse und setzt alles daran um ihr näher zu kommen und scheitert dabei an der simpelsten aller ersten Fragen, nämlich der nach ihrem Namen, was sein wirkliches Interesse an dem "echten" Menschen hinter seiner Vorstellung stark in Frage stellt.
All diese Menschen verbindet jedoch weit mehr als nur die Tristesse ihres Lebens.
Ich muß sagen, einen Tag später, nachdem ich noch etwas Zeit hatte über den Film nachzudenken änderte sich mein Urteil von "geht so" in "wirklich gut". Leider war ich Opfer falscher Erwartungen (kann ja mal passieren) und daher war ich erstmal ziemlich irritiert.
Aber wenn man erst mal alle Erwartungen beiseite fegt und sich vorbehaltlos der Geschichte ergibt, bekommt man ganz großes, englisches Kino mit einem überaschenden Ende.
4* nur wegen der anfänglichen, ich vermute aber mal auch durchaus gewollten Irreführung.