...müssten Ronny und Barry mindestens bezahlen, würde man die nicht enden wollenden Floskeln in diesem Film einmal von Jörg Wontorra nachzählen lassen. Erfreulich ist die Konsequenz, mit der dieses Spiel durchgezogen wird, und erfreulich ist außerdem, dass die meisten dieser platten Sprüche und Redewendungen dann doch irgendwie zum Schmunzeln animieren.
Chief: "Ronny, wo pennst du eigentlich?"
Ronny: "Unten im Keller ist ne Matratze, aber meistens penn' ich einfach auf'm Stuhl weg."
Handwerklich präsentiert sich City Kill in einer anderen Liga als der Vorgänger Deadly Nam. Das neue Equipment liefert TV-taugliche Bilder, die Regisseur Markus Hagen gekonnt in Szene setzt (besonders in den Rocky- und Miami-Vice-artigen Montagen kommt mächtig Stimmung auf!) und die dem Homevideocharme von Deadly Nam doch deutlich überlegen sind. Gut gelungen ist das Arrangement des in Deutschland (Bremerhaven, Bremen, Hamburg) und New York aufgenommenen Materials. Der Soundtrack (wieder Jan Glembotzki) klingt erneut brillant und empfiehlt sich eigentlich für höhere Aufgaben als den Amateurfilmbereich. Dennoch ist das heimliche akkustische Glanzstück der genial-trashige Titelsong von AMOS, dessen Beat spätestens nach 3 Takten zum Mitnicken verleitet. Mehr 80er geht nicht. Ebenfalls positiv: Sätmliche Dialoge des Films wurden gut verständlich nachsynchronisiert, zudem wurden etwa 99% aller Soundeffekte in der post production neu vertont.
Schauspielerisch hapert es auch bei City Kill an einigen Stellen, allerdings merkt man, dass Hendrik Thiele (Ronny) und Samuel Müller (Barry) sich ihre Rollen diesmal noch stärker auf den Leib geschrieben haben und sichtlich Spaß bei der Arbeit hatten. Die beiden völlig durchgepeitschten Cops mit nervösem Finger und flinker Zunge nimmt man ihnen zu jeder Sekunde ab. Hauke Hirsinger als größenwahnsinniger Drogenbaron Raoul Vasquez spielt immer mindestens am Rande zur Karrikatur, bringt dabei allerdings auch erstaunlich gut das Irre und Böse seiner Figur zum Vorschein. Das Gleiche gilt für seine Schwester-Freundin Carmencita (Berit Reiss). Der Auftritt von Thilo "Jackson" Gosejohann im Originaloutfitt von Operation Dance Sensation ist eine urkomische Hommage an den Neverhorst-Mastermind und auch ansonsten finden sich noch einige Gastauftritte mehr oder weniger bekannter Gesichter (z.b. Motoraver Hamburg). Diverse Anspielungen auf Deadly Nam dürfen ebenfalls nicht fehlen.
Sicher, im Grunde ist City Kill ein - zweifellos mächtig aufpoliertes - Abziehbild von Deadly Nam. Waren es zuvor die Pathos durchtränkten Vietnamfilme, sind es nun eben die berühmten Cop- bzw. Buddymovies der 80er Jahre - und allen voran natürlich die Serie Miami Vice - die mit unerbittlicher Konsquenz persifliert werden. Doch eine 100-Minuten-No-Budget-Produktion auf die Beine zu stellen, die vermutlich 95% aller professionellen deutschen "Komödien" in Sachen Gagdichte und -qualität alt aussehen lässt, verdient Anerkennung. Zudem können sich die Macher des Films auf die Fahnen schreiben, dass sie den witzigsten Werbespot aller Zeiten gedreht haben. Die Ausstattung ist für eine Produktion dieser Größenordnung schlicht beeindruckend, die meisten Gags sitzen und Dank der (natürlich) Klischee beladenen Story verkommen sie nicht zum reinen Selbstzweck - dieser Vorzug kann dem Film kaum hoch genug angerechnet werden. Fazit: Wer eine aberwitzige Gratwanderung zwischen knallharter Copaction und herrlich bescheuerter Komödie erleben will, liegt mit City Kill genau richtig. Der Film pirscht sich optisch erstaunlich nah an TV-Niveau heran, zelebriert gleichermaßen anarchischen Trash und akribische Detailarbeit und lässt zu jeder Sekunde erkennen, dass hier Menschen mit viel Liebe zum Film und genau so viel Spaß am Werk waren.
Und mal ganz ehrlich: wieviele wirklich witzige deutsche Filme habt ihr sonst noch im DVD-Regal??