Die polnischen Entwickler "City Interactive" haben mit dieser Adventure-Trilogie einigen Genre-Fans die Herzen höher schlagen lassen. Tolle Grafiken, viele Zwischensequenzen, spannende Geschichten sowie meist interessante Rätsel.
Doch alle drei Teile haben kleinere Schwächen, die den Spielspaß enorm ausbremsen.
Der erste Teil "Geheimakte FBI" erzählt eine gut durchdachte, mit einer größeren Wendung bestückte Kriminalgeschichte. Die Grafiken sind für das Jahr 2008 in ordnung und überhaupt die Präsentation ist stimmig. Leider wurde das Rätseldesign etwas vermurkst. Richtige Kopfnüsse sucht man in diesem Spiel vergebens, aber das größte Problem ist eigentlich, dass ein Spiel aus dem 21. Jahrhundert nicht die Möglichkeit besitzt, Gegenstand B mit Gegenstand A zu verbinden. Es MUSS andersherum gehen. Ansonsten gibt's ein nerviges "Geht nicht".
Da wäre ich auch schon beim nächsten Punkt - die Synchronisation. Zwar sind die Sprecher gar nicht mal schlecht, teilweise sogar passend für die Charaktere gewählt, aber die Dialoge selbst sind derart schlecht geschrieben und übersetzt, dass ich sehr oft meine Lautsprecher abschalten musste. LEIDER zieht sich dieser grausige Fakt ebenfalls durch die anderen zwei Teile... Selbst das Gameplay ist nicht ausgereift. Oft reagiert die Hauptprotagonistin gar nicht.
A pros pros "Hauptprotagonistin": wir spielen eine junge FBI-Agentin namens Nicole Bonnet, die das gesamte Spiel über blass, langweilig und uninteressant bleibt.
Schließlich möchte ich aber noch die positiven Punkte dieses Spieles erwähnen... Die Atmosphäre. Wahnsinn! Alle Schauplätze haben ihr eigenes Flair und die Musikuntermalung passt perfekt! Auch die Geschichte könnte man sich durchaus als Film vorstellen... Mit der Wendung am Ende hätte ich jedenfalls nicht gerechnet. Auch die Zwischensequenzen sind gut gemacht, wenn auch ein bisschen abgehackt und ... Daumenkino-artig.
Die Fortsetzung "Der Marionettenspieler" erzählt einen weiteren Kriminalfall der noch immer sehr charakterarmen Nicole Bonnet.
In diesem Spiel fällt die detailverliebte Grafik besonders auf. Meiner Meinung nach hat dieser zweite Teil die interessantesten und schönsten Schauplätze der gesamten Reihe! Die Story erweist sich wiedermal als ziemlich spannend, nur ist das Ende diesmal total misslungen und kommt völlig einfallslos und plump daher.
Bei den Rätseln hat sich einiges getan - sie sind interessanter und kommen vor allem häufiger vor. Leider wurde das "Gegenstand-A-und-B-Prinzip" beibehalten. Grauenvoll!
Die Linearität, die normalerweise bei jedem Point&Click-Adventure größtenteils vorhanden ist, fällt in diesem Spiel ganz besonders auf. Positiverweise steigert das aber den Spielspaß, da man verblüffend schnell und gut voranschreitet. Um mein Empfinden kurz auszudrücken: an "Der Marionettenspieler" hatte ich insgesamt den meisten Spaß beim Spielen.
Der dritte und (bis jetzt) letzte Teil dieser mörderischen Serie heißt "Karten des Schicksals". Mich hat der Trailer zu diesem Spiel sehr positiv überrascht und ich war guter Hoffnung, dass sich die Entwickler in der Präsentation und Dramaturgie um einiges steigern.
Kurz gesagt: Meine Erwartungen wurden nicht vollständig erfüllt. Die Rätsel ähneln den Vorgängern in Sachen Logik und Aufbau und bieten keine Innovationen, Nicole Bonnet bleibt ein nerviger Schatten ihrer selbst und das bis zum Himmel stinkende "Verbinde-A-mit-B-und-bloß-nicht-andersrum"-Prinzip erweist sich erneut als einer der größten Schwächen des ansonsten recht soliden Thriller-Adventures.
Die Dramaturgie der Geschichte ist gelungen. Ich war durchweg gefesselt und konnte mich nur schwer vom Spiel losreißen. Der Mörder in diesem Teil geht ziemlich geschickt an seine Taten heran - jedenfalls geschickter als die Entwickler selbst, die dafür gesorgt haben, dass man den Mörder Dank unheimlich schlechter Synchronisation und schlampigen Effekten bereits in der ersten Hälfte des Spieles entlarven konnte. ÄRGERLICH! Dennoch bieten vor allem die letzten zwei Kapitel einige Wendungen, die nicht gerade unspannend sind.
Die Grafik hat sich nicht verändert, was mir aber gefällt, den ich LIEBE diesen Grafikstil! Detailverliebt, z. T. fotorealistisch, aufregend düster, einfach á la "Geheimakte"... Verbessert haben sich die Zwischensequenzen, die technisch einiges her machen und gut geschnitten sind. Zwar konnte man bei den Clips der Vorgänger schon nicht meckern, aber die Verbesserung im dritten Teil ist sichtbar. Klickt euch mal den Trailer, der zeigt das ganz deutlich.
Der Umfang von "Karten des Schicksals" ist auffällig. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich für Teil 1 und 2 derart lang gebraucht habe - was aber nicht unbedingt an den schwereren Rätseln lag. Die Spielzeit ist schuld. "Karten des Schicksals" ist ein verblüffend langes Spiel, ich habe mehrere Samstage daran gesessen. Super!
Insgesamt kann ich sagen, dass mir der dritte Teil am besten gefallen hat. Vom Spielspaß her liegt "Der Marionettenspieler" jedoch ganz vorn. Storytechnisch konnte mich "Geheimakte FBI" überzeugen.
Fazit:
Unterhaltsame Spielereihe mit interessanten Geschichten und wundervollen Grafiken. Rätsel, Charaktere und Dialoge hätten mehr Feinschliff gut getan und somit den einzelnen Spielen selbst.