Im Gegensatz zu den um einiges schwächeren Jugendbuch-Verfilmungen aus dem Genre, wie "Der Goldene Kompass", "Wintersonnenenwende" und "Mitternachtszirkus" hätte dieser Film es verdient auf der grossen Leinwand gezeigt zu werden. Stattdessen ist er gleich auf DVD erschienen. Schade eigentlich.
Ich vergebe ihm gute 3 Sterne.
Die Stadt "Ember" wurde als Vorsorgemaßnahme unter der Erde erbaut ... und zwar schon vor mehreren hundert Jahren. Eine unbekannte Katastrophe hat es der Menschheit unmöglich gemacht, sich länger auf der Erdoberfläche aufzuhalten. Warum, wird im Film leider nicht erklärt. Es wurde von den Erbauern auch eine Zeitkapsel dort deponiert, welche sich in exakt 200 Jahren öffnen sollte, um den zukünftigen Generationen eine weitere Vorgehensweise anzubieten. Doch dieses Artefakt ging im Laufe der Zeit verloren. So leben die Menschen auch nach Ablauf der Frist unwissend in der Dunkelheit, welche nur erhellt wird durch ein künstliches dichtes Netz aus Glühbirnen. Das Ganze wird betrieben durch einen uralten gigantischen Generator, welcher allerdings langsam den Geist aufzugeben scheint.
Zudem gibt es immer weniger an Nahrungsmittel für die Bewohner.
Während der Bürgermeister die Probleme runterzuspielen versucht, machen sich die beiden aufgeweckten Jugendlichen Lina und Doon ernsthafte Gedanken über die Zukunft der Mitbürger. Erst recht, als Lina eine alte Metallkapsel findet, die ihrem Großvater gehörte. Dort drinnen sind vergilbte Anweisungen, die einen Ausweg "zur Rettung der Menschheit" versprechen. Die beiden versuchen die Instruktionen zu enträtseln ... und ecken dabei gleichzeitig bei der Regierung an, welche ihr eigenes Süppchen zu kochen scheint.
Das Besondere am Film ist das Setting. "Ember" ist eine riesige Stadt unter der Erde, in einer gigantischen künstlichen Höhle. Die dortigen Menschen wissen nur sehr wenig aus der Vergangenheit. Sie haben sich angepasst. Dafür muß jeder seinen Beitrag leisten. Was bedeutet, daß die Jugendlichen sehr früh anfangen zu arbeiten. Wobei die Arbeit, welche sie übrigens Zeit ihres Lebens behalten, nicht nach Talenten gewählt wird, sondern per Los, welches der Bürgermeister am "Tag der Einweisung" verteilt. Die beiden Hauptcharaktere scheinen daher offenbar die Einzigen zu sein, die ihre Lose getauscht haben. Somit fangen Lina und Doon, als laufende Botin bzw. als Rohrschacht-Arbeiter, ihre Lehren an.
Hoch entwickelte Berufe gibt es hier offenbar nicht.
Die Menschen ernähren sich von Lebensmitteln aus Konserven bzw. von Pflanzen, die wenig Licht brauchen ( z.B. Kartoffeln ).
Interessant ist auch die Tatsache, daß die paar Tierarten, welche es hier gibt ( z.B. Maulwürfe und Motten ), gigantische Ausmaße erreicht haben und z.T. auch eine Bedrohung für die Menschen darstellen.
Zudem sieht man den riesenhaften Generator quasi als religiöses Relikt an und er wird ehrenvoll in einer Hymne bei offiziellen Anlässen angebetet.
Die Handlung ist sehr spannend und wird zum Ende hin immer abenteuerlicher ... bis hin zum Finale, welches man sich allerdings denken konnte. Die beiden Hauptdarsteller Saoirse Ronan ( In meinem Himmel ) und Harry Treadaway ( Control ) spielen ihre Rollen gut.
Es werden gesellschaftliche Probleme behandelt, die ein solches Leben höchstwahrscheinlich hervorbringen würde. Wenn auch nicht ganz so komplex dargestellte, was aber häufig bei Jugendromane-Verfilmungen vorkommt.
Dazu gehören soziale Ungerechtigkeit, Beraubung des freien Willens, Ressourcen-Knappheit und eine fehlende Motivation sein Schicksal zu ändern mangels der Kenntnisnahme eines möglicherweise besseren Lebens ( kurz gesagt: die Leute leben stumpfsinnig und fremd-leitend vor sich hin und denken nicht mal etwas daran ändern zu wollen ).
Leider gibt es auch ein paar Kritikpunkte.
So erfährt man viel zu wenig von den Machenschaften des Bürgermeisters und seine Pläne erscheinen daher völlig absurd, auf Dauer auch chancenlos.
Dann noch die Tatsache, daß eine solche "Unterwelt" eigentlich so nicht funktionieren dürfte.
Es werden etwaige Probleme wie Inzucht ( bei einer so kleinen Stadtgemeinde ) und Rachitis ( Wachstumsstörung der Knochen, die entstehen kann, wenn kein Sonnenlicht existiert, welches die hormonelle Produktion von Vitamin D im Körper unterstützt ) gar nicht berücksichtigt.
Ausserdem denke ich nicht, daß Lebensmittel-Konserven nun SO lange halten können.
Die Leute müssten daher eigentlich völlig blass und kränklich sein.
Nun, auch dies dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Story nur auf einem Jugendroman beruht. Da werden oft phantastische neue Welten präsentiert, ohne zu tiefgründig darüber nachzudenken, ob jene dauerhaft auf diese Weise existieren könnten.
Der Film endet übrigens z.T. recht offen.
Man könnte locker eine Fortsetzung dazu drehen.
FAZIT:
Durchaus sehenswertes abenteuerliches Fantasy-Filmchen für ältere Kinder und Jugendliche.
PS:
Die Buchvorlage wurde unter dem deutschen Titel
Lauf gegen die Dunkelheit verlegt und es gibt auch auch eine Fortsetzung namens
Ankunft im Licht. Ich habe die Bücher aber nicht gelesen, weil nur zwei davon erschienen sind und diese sind auch noch verlagsvergriffen.
Auf englisch gibt es eine ganze ( erhältliche ) Buch-Reihe dazu.
The City of Ember (Books of Ember)The People of Sparks (Books of Ember)The Prophet of Yonwood (Books of Ember)The Diamond of Darkhold (Books of Ember)