Wenn man diesen Band in die Hand nimmt, macht er erst einmal einen guten Eindruck. Viele schöne Fotos, detaillierte Tabellen über Modelle mit Verkaufszahlen und allem, dazu kompakte erklärende Texte. Alles da. Schön soweit, wenn nur nicht...
Ja, wenn nur nicht: Der Autor wird uns vorgestellt als der Historiker der Marke Citroen. Er mag Zugang zu allen Winkeln des Werks-Archivs haben; Ahnung von historischer Sorgfalt hat er offenbar wenig.
Denn das Werk ist im Aufbau letztlich nicht überzeugend und strotzt von Fehlern. Von denen einige sicher auf das Konto des Verlags gehen, aber das ist ja letztlich egal. Zum Beispiel finde ich es einfach ärgerlich, dass in einem Jahr in der Tabelle die Hälfte der Spalten wegen eines Satz-Fehlers nicht vorhanden ist. Muss in dieser Preisklasse einfach nicht sein.
Die Texte sind zum Teil von amüsanter Unsinnigkeit, wenn man zum Beispiel erfährt, dass die DS sich als Cabriolet von den Limousinen nur in einigen Chromteilen unterscheidet. Ich hätte gedacht, das Cabrio habe vielleicht auch eine geringfügig andere Dachkonstruktion als die geschlossenen Versionen... Das nur als ein Beispiel unter vielen.
Wesentliche Informationen kommen unvorbereitet und sind daher letztlich unbrauchbar, wenn es gilt sich ein fundiertes Bild zu machen. So erfährt man z.B. im Zusammenhang der Einführung des GS, dass die bereits beschlossene Fertigung des F-Modells abgesetzt worden war. Was das für ein Model war? Wie es ausgesehen hätte? Fehlanzeige. 1975 ist Citroen dann so gut wie zahlungsunfähig und geht zu Peugeot über. Woher das kommt? Ob es sich womöglich schon länger angebahnt hat? Man erfährt nichts.
Ein weiteres Ärgernis ist für mich, dass ein großer Teil der Fotos falsch zugeordnet sind. Fahrzeuge sind in einem Jahr abgebildet und erst im nächsten Jahr beschrieben. Dass sich dann Bildunterschrift und Haupttext nicht selten widersprechen muss schon kaum mehr erwähnt werden.
Auch die Detailversessenheit nervt zuweilen mehr als sie nutzt. Vor allem in den frühen Jahren finden Änderungen an Radkappen und ähnliche feine Dinge sehr weiten Raum in der Beschreibung. Damit könnte man womöglich sogar etwas anfangen, wenn es gälte, ältere (nicht verbaute) Modelle präzise zu datieren. Geht aber leider nicht, weil Fotos fehlen, die diese Detailänderungen präzise und einprägbar dokumentieren. Obwohl: vielleicht gab es dieses Bild doch? Vielleicht ein paar Seiten früher?
Dies alles klingt kleinlich. Man könnte sicher auch über das eine oder andere gerne hinwegsehen. Die schiere Menge von Fehlern und Unzulänglichkeiten aber lässt zu keiner Zeit das Gefühl aufkommen, dass man dem, was hier zusammengetragen wird, wirklich vertrauen kann. Lesend bin ich ständig verunsichert, auf der Hut und auf der Suche nach dem ständig verloren gehenden Zusammenhang.
Zu allem Überfluss ist dann auch noch die Auswahl der dargestellten Modelle nicht wirklich schlüssig. Vorentscheidung bei der Entstehung des Bandes war, sich ausschließlich auf Personenwagen zu konzentrieren. Soweit, so schön. Dass damit ein in Oldtimer-Kreisen so beliebtes Modell wie der HY entfällt, muss man denn eben verschmerzen. Es gibt aber ja auch eigentlich der Personenbeförderung zugedachte Modelle z.B. aus der AcaDyane-Reihe, die dieser rigiden Grenzziehung sehr zu Unrecht zum Opfer fallen. Wie unlogisch das ist, wird spätestens dann deutlich, wenn der Berlingo eben doch dargestellt wird, der ja letztlich auch nur ein Nutzfahrzeug mit fünf Plätzen ist. Das gabs bei der Ak auch schon!
Also Fazit; schlurig, schlurig, schlurig und in sich nicht stimmig. Leider weiß ich nicht, ob es zu diesem Buch ernsthaft eine Alternative gibt. Ich fürchte, wir Citroen-Afficionados müssen mit diesem miserablen Buch irgendwie klar kommen.