4 Sterne dafür, daß Mattheus sich das schwierige Unterfangen aufgebürdet hat, ein Buch über einen Denker zu schreiben, dessen Denken sich einer systematischen Aufschlüsselung im Grunde entzieht, auch wenn es immer wieder um dieselben Themen kreist. Ich für meinen Teil, der ich Cioran seit einigen Jahren nicht mehr aufgeschlagen habe, bin angeregt worden, mich wieder näher mit dem finsteren Skeptiker zu befassen; und dies - den Leser für seinen Gegenstand überhaupt oder wieder zu gewinnen - ist doch eine respektable Leistung. Gerade wenn man sich mit Cioran (der übrigens kein "Regenschirm" über was auch immer war, wie in der anderen Rezension so albern behauptet) schon einmal intensiv beschäftigt hat, ist Mattheus' Buch sehr nützlich, bietet es einem doch so etwas wie einen Panoramablick auf Ciorans Themen. Was allerdings bei der Lektüre nervt: auch beim verdienstvollen Verlag Matthes & Seitz ist man offenbar (Digistaliserung sei Dank) nicht mehr in der Lage, typographisch korrekte Gedankenstriche zu setzen; und es gibt zwei peinliche grammatikalische Patzer: wer im Buch mehr als nur eine "Content-Konserve" sieht, nimmt daran Anstoß. Außerdem wirkt Mattheus' Einleitung etwas linkisch, das ständige "der Rumäne", wo es auch ein schlichtes "Cioran" getan hätte, wirkt abgeschmackt und penetrant. Mattheus' Psychologisiererei an zwei, drei Stellen hat das Niveau einer Magisterarbeit. Aber ansonsten ein sehr lesenswertes, gut recherchiertes Buch, vor allem im Hinblick auf Ciorans Flirt mit der "Eisernen Garde", und deshalb 4 Sterne.