Bollons Buch ist eigentlich eher eine biographisch abgerundete Werke-Beschreibung als eine Biographie im strengen Sinne. Seine Stärken hat das Buch in dem gründlichen Nachvollzug von Ciorans Gedankengängen, wie überhaupt der Rumäne hier erst ausführlich als Denker zu Wort kommt, ehe Bollon den Schriftsteller präsentiert. Für Bollon ist Ciorans Entscheidung für die Schriftstellerei eine Antwort auf die zahlreichen Paradoxien, denen sich ein Denken im Schatten des europäischen Nihilismus ausgesetzt sieht. Die starke Abhängigkeit Ciorans von Nietzsche ist ebensowenig ausgespart wie "the infamous past" (M. Petreu) bei den Eisernen Garden. Ein klein wenig stört die Neigung Bollons, Ciorans Denkbiographie als eine Fabel zu erzählen, die von A nach B führt, wobei B selbstverständlich das höhere Niveau darstellt. Zum Ende heißt es: "Der Fehltritt" - gemeint ist Ciorans gardistisches Zwischenspiel - "stellt also die moralische Entwicklung zum Höheren, die sein Leben begleitet hat, die in seinem Leben zum Ausdruck kommt und deren Vorbildlichkeit nicht zu leugnen ist, nicht in Frage. Er nimmt vielmehr daran teil." Anschließend äußert Bollon gar noch den frommen Wunsch, Cioran hätte doch diesen Fehltritt öffentlich beichten sollen. Das erinnert denn schon mächtig an die endlose Debatte um Heidegger, der in dem Buch übrigens als moralischer Gegenpol zu Cioran aufgebaut wird.