Es sei zunächst angemerkt: Dies ist ein Pen-Display, kein Touchscreen mit Fingerbetätigung.
Nach zwei anderen Pen-Displays und fünf Tablet-Geräten ist meine neueste Anschaffung ein Cintiq 12wx (als Ersatz des veralteten 15x). Von der aktiven Fläche meinem Intuos3 A5wide recht ähnlich, ist bei fast gleicher Dicke ein kompletter 12"-TFT mit 1280x800 px Auflösung integriert. Außerdem sind zwei weitere programmierbare Tasten (insgesamt 10) hinzugekommen, dafür sind die Touchstrips nach außen gewandert, die man leider gelegentlich unabsichtlich berührt. Der 12wx ist stift-kompatibel zu den Intuos3-Tabletts und seinen Erweiterungsmöglichkeiten (Airbrush etc.), wobei bereits der mitgelieferte Standardpen für das meiste ausreicht und dank Gummierung des Griffbereichs sehr gut in der Hand liegt.
An der Rückseite findet man einen ausklappbaren Bügel, der vollständig versenkt nicht vorsteht und so ein flaches Aufliegen ermöglicht, mit dem der Cintiq 12wx aber auch aufgestellt werden kann, jedoch in Zwischenstellungen nicht so solide wie beim älteren 15x. Zudem ist eine VESA-Montage vorbereitet.
Hatte der Vorgänger 15x noch drei (zu kurze) Kabel, die aus dem Gehäuse kamen, wurde beim 12wx jetzt eine "Sammelbox" mit den Display-Einstelltasten zwischengeschaltet, an die man Video-, USB- und Stromkabel anschließt und die dann über eine "Nabelschnur" den eigentlichen Monitor steuert. Das ist zwar in der (aufgebauten) Handhabung ein akzeptabler Kompromiß, macht den Transport des vom Hersteller als mobil propagierten Geräts aber nicht viel einfacher, da nun weitere Meter Kabel und eine etwa festplattengroße Box verstaut werden müssen, was den Größenvorteil des eigentlichen Display-Tabletts wieder deutlich abschwächt. Zudem ist die "Nabelschnur" nicht abnehmbar und dadurch beim Transport potentiell knickgefährdet. Eine Art abnehmbare Kabelpeitsche wäre da m.E. besser gewesen. Außerdem kann nur EIN Monitorkabel (VGA-DVI oder DVI-DVI, beide mitgeliefert) angeschlossen werden, zudem muß trotzdem noch ein Umschalter betätigt werden. Im Endeffekt ist dieser Kabelsalat unschön, aber immerhin besser als beim Vorgängermodell.
Das Handhabe an sich ist allerdings hervorragend. Der 12wx ist allgemein sehr handlich, nicht zu schwer und läßt sich nun problemlos auf dem Schoß (oder Arm) wie ein großer Block halten. Auch in flacher Position auf einem Tisch ist genügend Fläche um das Display herum, so daß man die Hand bequem auflegen kann. Im Gegensatz und direkten Vergleich zum Intuos-Tablett besteht das mögliche Problem des "Verkantens" nicht (Winkelversatz zwischen Tablett und Monitor führt zu unbeabsichtigt schiefen Strichen), jedoch ist an den Ecken des Displays auch nach mehrfacher Kalibrierung die Positionierungsgenauigkeit des Pens etwas schlechter, was laut Hersteller technisch bedingt ist.
Als absolutes Highlight und Existenzberechtigung schlechthin ist die Arbeit direkt auf dem durch eine harte Scheibe geschützten Display völlig intuitiv und erfordert keinerlei Gewöhnung, im Gegensatz zu einem externen Tablett, bei dem man sich eine andere Hand-Auge-Koordination erst erarbeiten muß. Wenn man den 12wx "wie gedacht" als Zweitmonitor betreibt, kann man mit einfachem Knopfdruck zwischen den Bildschirmen umschalten und auf dem anderen Display wie mit einem konventionellen Tablett weiter arbeiten. Der Wacom "Pro"-Treiber hat viele Einstellmöglichkeiten, mit denen sich die Empfindlichkeit des Pens oder Belegungen der Tasten und Touchstrips mit vordefinierten Funktionen oder auch individuell anpassen lassen, so daß man die Tastatur recht wenig braucht. Der Standardstift liegt gut in der Hand, ist nicht zu dünn und im Griffbereich gummiert.
Was natürlich ein echtes Manko ist, ist der Preis des Geräts, der klar ins Profi-Segment zielt. Ein etwa gleich großes Tablett plus einen viel größeren 20"-LCD-Bildschirm bekommt man für etwa den halben Preis. Allerdings sind die Cintiq-Geräte derzeit einzigartig auf dem Markt.
Ich stelle noch einmal die Punkte in Kurzform zusammen:
Positiv:
++ intuitives Arbeiten mit natürlichem Hand-Auge-Feedback
+ Professionelles Gerät mit guter Qualität
+ als "Skizzenblock" ungeschlagen, da wie Papierblock benutzbar
+ transportables Konzept, paßt ggf. in große (17"-) Notebooktaschen
+ kompatibel mit Intuos3-Zubehör
+ auch als Tablet für Zweitbildschirm benutzbar
Negativ:
-- Preis!!!
- Genauigkeit in Randbereichen etwas schlechter als beim Intuos gleicher Technologie
- Kabelsalat schränkt Mobilität ein
- Für manche Anwendung grenzwertig klein
Im Endeffekt ziehe ich für die Minuspunkte nur einen Stern ab, weil es trotz der Mankos einfach keine Konkurrenz gibt, und, der Cintiq 12wx macht einfach Spaß! Näher kann man derzeit dem "konventionellen" Zeichnen nicht kommen.