Mikhail Pletnev hat schon des öfteren unter Beweis gestellt, daß in ihm nicht nur ein hervorragender Pianist, sondern auch ein begnadeter Arrangeur steckt: So hat er unter anderem eine unter Pianisten höchst populäre Fassung des Nußknacker-Ballets von Tschaikowsky für Klavier zu zwei Händen umgeschrieben (von ihm selbst bei Virgin aufgenommen). Im Sommer des Jahres 2002 stellte er eine weitere Ballet-Transkription fertig - und zwar Auszüge aus Sergei Prokofievs „Aschenputtel". Diese ist jedoch für zwei Klaviere gedacht, was sich auch aus der Person der Widmungsträgerin erklärt: Martha Argerich. Die Argentinierin spielt heutzutage nahezu ausnahmslos in Begleitung und hat eine besondere Vorliebe für Duo-Klavierabende. Am 30.6.2002 fand im Rahmen des Festivals „Progetto Martha Argerich" in Lugano die Uraufführung des Werkes mit Argerich und Pletnev an den Flügeln statt und stieß auf eine enthusiastische Resonanz. Dies veranlaßte den Produzenten der Deutschen Grammophon, Martin Engstroem, den beiden Pianisten eine gemeinsame (Studio-)Aufnahme vorzuschlagen, die gut ein Jahr später stattfinden sollte.
Es ist bewundernswert, mit welchem Einfallsreichtum und pianistischer Finesse Mikhail Pletnev die Atmosphäre des Ballets einzufangen gewußt hat. Nach der kurzen „Einführung" zeigt sich schon im „Streit" die typische Klangsprache Prokofievs; bezaubernde Klangeffekt sind ihm auch bei „Aschenputtels Walzer" (Nr. 5) gelungen. Pletnev hat insgesamt nicht versucht, mittels pianistischer Überfrachtung ein Orchester zu ersetzen; er hat vielmehr ein höchst attraktives und eigenständiges Klavierstück geschrieben. Interessanterweise hat Prokofiev selbst mehrere der Stücke selbst für (Solo-)Klavier transkribiert (empfehlenswerte Einspielung von Lev Vinocour) - durch das zweite Klavier gewinnt das Werk aber zweifellos ungemein an musikalischer Ingenuität. Umso mehr gilt dies natürlich, wenn wie hier zwei Weltklasse-Pianisten am Flügel sitzen. Wenn auch beide solistisch ganz unterschiedliche Temperamente aufweisen, finden sie im Zusammenspiel doch eine ungemein homogene und sich hervorragend ergänzende Klangsprache. Beim Anhören ist kaum vorstellbar, daß es sich dabei nicht um ein eingespieltes Duo handelt - die gegenseitigen Reaktionen insbesondere in den schnellen Passagen (z.B. „Gallop") wirken ungemein spontan und lebendig. Sowohl Argerich als auch Pletnev haben vielfach bewiesen, daß ihnen die Musik Prokofievs paßt wie ein Maßanzug, und die vorliegende Aufnahme ist da keine Ausnahme. Brillianz, Virtuosität, farbenreicher Klang und perfekte Anschlagskultur, gepaart mit einem nahezu unfehlbaren Gespür für Agogik machen diese CD zu einem musikalischen Fest. Höhepunkt der Aufnahme ist das fast rauschhaft gesteigerte „Finale" der Aschenputtel-Suite, die eine fast grenzenlose Spielfreude verbreitet.
Mit der praktisch als Zugabe eingespielten vierhändigen Suite „Ma mère l'oye" von Ravel, die Martha Argerich schon zweimal aufgenommen hat (mit Nelson Freire und Myung-Whun Chung) entführen die beiden Interpreten den Hörer in eine ganz andere Klangwelt. Selten hört man dieses Werk derart farbig interpretiert, wird Schlichtheit nicht mit Einfallslosigkeit gleichgesetzt - man hat tatsächlich den Eindruck, in eine magische Märchenwelt versetzt zu werden.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist die formidable Klangqualität sowie die hervorragende Klangbalance und die sensibel intonierten Flügel; für ein Optimum an Klangqualität sei hier die ebenfalls erhältliche SACD-Version empfohlen. Dies kann auch über die mit knapp 50 Minuten zu knapp bemessene Spieldauer und das nur mäßig informative Booklet hinwegtrösten.