Wir sind gerade von einem Wanderurlaub aus dem Cilento zurück und mussten große Überraschungen erleben. Auf den Punkt gebracht: Der Cilento ist wandertechnisch nicht erschlossen, die Sprachbeherrschung des Führers unzureichend und zum Teil kann eine Ortskenntnis nicht vorgelegen haben.
Ich werde hier die Angaben nicht auf die Tournummer beziehen und auch keine Auswege aus den dummen Situationen nennen, da es zu einer Masche wird, lieblos erstellte Wanderbeschreibungen zu verkaufen und dann "Updates" durch die Nutzer bereit stellen zu lassen.
1. Die Schwierigkeitsgrade sind viel zu harmlos. Oft sind es sehr anstrengende Wanderungen, mit Steigungen, die ans Klettern grenzen und durch unwegsames, verwachsenes Gelände führen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dame mit Gehstöcken, die auf einigen der Küstenwanderungsbilder zu sehen ist, diese sportlich sehr anstrengenden Wege gegangen ist. Wenn doch - Hut ab! So fit möchte ich gerne bleiben. Das Modell weckt falsche Erwartungen.
2. Der Umgang mit Adverbalien ist zum Verzweifeln. "Wir gehen bis vor das Gut und dann links ab." - Was wenn das Gut nach dem letzten erwähnten Fixpunkt noch in der Entfernung ist und es davor mehrere Alternativen gibt und links ein Zaun, ein Schuppen, ein Wald und ein Abhang ist? Ich bin dann immer noch "vor" dem Gut, aber wie weiter? Wir sind am Ende auf einem isolierten Gut mit 3 kläffenden Hunden gelandet und mussten uns durch den Weinberg davon schlagen.
3. Was ist der Unterschied zwischen einem Asphalt-, Beton- oder gepflasterten Weg? Schotter ist noch was anderes! Man folgt also dem "gepflasterten Weg", wie angegeben, läuft dann eine halbe Stunde bergab, verliert ca. 150 - 200 Höhenmeter und der Weg endet auf einer Wiese, die von Zaun und Graben umgrenzt ist. Also alles zurück und die asphaltierte Straßen nehmen, die entgegen der Angabe ist, aber wenigstens zum Fluss führt, wenn auch an einer ganz anderen Stelle, so dass man die Tour selbstständig weiter planen muss.
4. Angaben wie "von hier geht der Weg nach Westen" oder " bei der Kreuzung oben folgen wir dem Bergkamm" nützen nichts, wenn grob nach Westen mehrere Trampelpfade verlaufen oder die 4-Kreuzung "oben alle drei Alternativen an Bergkämmen weiterführt. Also wieder selbst ausprobieren.
5. "Über dem Bach" ist nicht "vor" dem Bach! Außerdem gibt es auch Wegmarkierungen, denen man folgen könnte und die man nennen könnte, wenn man von ihnen wüsste, sofern man hier gegangen wäre, was nicht wahrscheinlich ist, weil oben benannte Dame diesen steilen Kraxelanstieg durchs dornige Gestrüpp bestimmt nicht gegangen ist, wenn doch - Hut ab abermals!
Man könnte noch viele weitere Sticheleien angeben, insgesamt bietet der Rother nur Ideen dafür, wo man in wunderschöner Landschaft wandern könnte. Bei der Durchführung muss man sich dann allerdings sehr auf den eigenen Orientierungssinn verlassen und die Tour irgendwie ins Ziel führen. Dies ist phasenweise sehr frustierend, da man viele Irrungen und Überraschungen erlebt. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es sich hier um Übernahmen älterer italienischer Wanderbeschreibungen handelt, da bei den angegebenen Touren immer wieder Schilder und Markierungen in verwittertertem und überwachsenem Zustand zu finden sind, diese aber nicht erwähnt werden und reale Sachverhalte nicht zur Sprache kommen.
Schade um die schöne Region!