Was darf man erwarten, wenn der sicherlich beste Kenner Ciceros im deutschsprachigen Raum eine Biographie dieses facettenreichen Mannes verfaßt? Gewiß eine Menge, und Fuhrmann hält, was sein Name verspricht. Er bietet auf begrenztem Raum sicherlich die für längere Zeit maßgebliche Darstellung des Lebens Ciceros, er setzt Akzente, aber Neues verrät er nicht. Lange Zeit hatte die gerade auch die deutsche Forschung Cicero zwar für einen Meister der lateinischen Sprache, aber für einen bloßen Kompilator und Epigonen, was den Inhalt angeht, gehalten. Der Politiker Cicero war der Moderne ohnedies völlig suspekt - stand man doch ganz im Banne des angeblichen Genies Caesars. Fuhrmann korrigiert dieses Bild, er zeigt, dass der Politiker Cicero vom Autor und Philosophen nicht getrennt werden kann, dass seine Reden - die Fuhrmann ja sämtlich übersetzt hat - nicht nur sprachliche bedeutend sind, sondern auch politisch. Zum ersten Mal seit langer Zeit gelingt es einem renommierten Autor in einer populär bzw. einführend orientierten Darstellung, das überkommene Cicero-Bild gründlich zu revidieren. Mit viel Sympathie zeichnet er die Anschauungen, Positionen und Ideen desjenigen antiken Menschen nach, den wir in all seinen Schwächen und Stärken am besten kennen. Das ist ein hohes Ziel, das einen Autor verlangt, der das umfängliche Material bestens kennt, und es gab sicher keinen Berufeneren als Fuhrmann. Der einführende Charakter des Buches mag erklären, dass Fuhrmann fast gänzlich darauf verzichtet, neue Thesen in die Forschung einzuführen. Immerhin bietet dieses Buch auch für Leser, die sich noch nicht ausführlich mit Ciceros Zeit auseinandergesetzt haben, zugleich auch eine brillant geschriebene Einführung in die Zeit der ausgehenden römischen Republik. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)