Rezension
Hazmat - absolut geniales Teil, sagenhaft, CD des Jahres. Endlich mal wieder etwas, das aus den ausgetretenen Pfaden des 12er Bluesschemas herausgeht und so viele Stile wunderbar verbindet. (Joe Strömer - Radio Weser tv)
Hazmat Modine, was soviel bedeutet wie brandgefährliches Material, ist die lebende Definition der amerikanischen Roots Music, dem Blues. Kontinuierlich auf der Suche nach neuen Innovationen, begibt sich die in New York ansässige Band um Mastermind Wade Schuman auf ihrem aktuellen Album 'Cicada' auf eine Reise zum Kern der amerikanischen Musik. Wie die Zikade, die nymphengleich in der Erde lebt, um dann singend für eine kurze Zeit an die Oberfläche zu dringen, ist die Musik von Hazmat Modine erdig und eins mit den Ursprüngen der amerikanischen Musik, während sie, wie Frank Zappas Mothers Of Invention, in rätselhafte, jenseitige Welten vordringen. Schumanns intensiver Gesang, seine Gitarre und seine diatonische Mundharmonik geben den Ton in den 14 Songs auf 'Cicada' an. Eine Bläsersektion sowie Gitarren und Perkussion sorgen für den mitreißenden Groove. Zusätzlich klinken sich die Sängerin Natalie Merchant und die Gangbé Brass Band in "Child Of A Blind Man" in die Mischung aus mitreißenden Melodien und Rhythmen ein. Ob Delta Blues, Latin, R'n'B, Rock oder Afrikanisches, auf diesem Planeten voller Klänge legt man gerne eine Landung ein. (all my music)
CD des Monats im STEREO 6/2011 (Stereo 6/2011) (Stereo 6/2011)
Wie trügersich kann Sprache sein. Wer kommt schon auf Anhieb darauf, dass Hazmat Modine kein ägyptischer oder algerischer Untergrundkämpfer ist, sondern ein Konglomerat aus Wörtern und Begriffen der englischen Sprache. Hazmat setzt sich nämlich aus den beiden Vokabeln hazardous und material zusammen (also Gefahrengut) und Modine , was wiederum fast schon einer Schleichwerbung gleich kommt, denn Modine ist der US-amerikanische Marktführer im Bereich Wärmetransfer-Technologie, hat also was zu tun mit Heißluft, die bei dieser Band kubikmeterweise und substanzreich abgelassen wird. Und weil Hazmat Modine also eine uramerikanische Mannschaft ist, liegt es nahe, auch uramerikanische Musik zu machen. Sprich Blues. Sänger Wade Schuman ist zusammen mit seinem Kollegen Bill Barrett ein Meister der diatonischen Mundharmonika und die steht bei allen Tracks prominent im Vordergrund. Das Gesamtkonzept dieser frischen New Yorker Kombo ist aber alles andere als rückwärts-traditionell ausgerichtet, was allein schon aus der personellen Zusammensetzung ersichtlich ist. Jede Menge Blech mischt da mit, vom Sousa- bis zum Saxophone, man verwendet Posaune, Klarinette, Flöte und die armenische Duduk, zupft bzw. streicht Stahlsaiten und schlägt Trommelfelle. Der sich so ergebende Sound ist dicht, kompakt, erdig und stampfend. Skip McDonald s Little Axe mutet dagegen wie ein lahmer Bummelzug an. Hazmat Modine intergieren in ihrem Delta-Blues das Beste aus Latin, Funk und Jazz, haben die afrikanische Gangbé Brass Band aus Benin zu Gast, lassen sich von der Sängerin Natalie Merchant (10.000 Maniacs) etwas holde Weiblichkeit verpassen und kooperieren am Ende sogar noch mit dem Kronos-Quartett. Um mal wieder einen Anglizismus zu bemühen: Hazmat Modine machen knapp gesagt Blues & beyond , wobei hier zur Abwechslung mal die Betonung auf dem Begriff beyond liegt. Ein wohlfeiler Tipp also auch für diejenigen, die normalerweise weniger was mit Rootsmusik am Hut haben. (sound&image.de)
One of New York s most original bands, Hazmat Modine delivers a rustic, deliriously Dionysian blend of whorehouse Blues, Reggae, Klezmer, Country and Gypsy-tinged music. The band features the dueling harmonicas of front-man Wade Schuman and his sparring partner Bill Barrett, funky tuba powerhouse Joseph Daley, guitarists Michael Gomez and Pete Smith, trumpeter Pam Fleming and drummer Rich Huntley. (New York Times)
Ein Fest für Harpfans, eine Lektion in Sachen Auffrischung amerikanischer Roots und ganz vorne natürlich Blues: Die Band des New Yorkers Wade Schuman versammelt auf dem zweiten Tonträger von flippigen Exkursen in die Prewar-Blueszeit über den R&B der 50er und den Funk der 70er so ziemlich alles, was vom Blues abstammt. Dabei schlägt man auch die Brücke zu ungewohnten Sounds eher exotischer Einwanderer, sammelt in der Karibik blue beats auf, fördert bluesige Elemente aus dem Sudan zutage und kokettiert mit Gästen unter anderem aus Afrika, die den Soul aus dem Stand heraus adaptiert haben. Wades diatonische Harp und die chromatische seines Kompagnons Bill Barrett können Sounds von Sonny Terry bis Little Walter aus dem Effeff, mit Wah-Wah und einem Okatvengenerierer natürlich noch mehr. In der Band trifft neben den Harps ein Haufen Bläser auf ein paar Gitarren mit und ohne Slide oder Blech, exotische Instrumente wie Sheng, Shamisen, Cimbalom und Balalaika machen sich hier und da bemerkbar, aber auch damit ist die Musik des Oktetts so tief in Americana verwurzelt, dass der schräge Kanon dieser Nuyoricans auch eingefleischten Wahrern der reinen Blueslehre einiges zu bieten hat. Songs von Louis Jordan, Irving Berlin und Frederick Knight platziert der Klangkörper von Hazmat Modine neben Eigengewächsen natürlich völlig anders als punktgenau und originalgetreu in sein Repertoire. (Bluesnews)
Kurzbeschreibung
Wie die Zikade, jenes geheimnisvolle Insekt, das nymphengleich und wurzelumgeben in der Erde lebt, aus der es dann hervorkriecht, um für kurze Zeit zu singen, ist die Musik von Hazmat Modine erdig und eins mit ihren Ursprüngen; während sie gleichzeitig auf rätselhafte, jenseitige Welten anspielt. Die Besetzung der Band gibt Einblick in die Hazmat sche Methodik: Schumans Gitarre, diatonische Mundharmonika und intensiv-erdiger Gesang geben den Ton an. Eine Bläserfraktion Tuba, chromatische Mundharmonika, Trompete, Flügelhorn, Posaune, Tenor- und Baritonsax, Pikkoloflöte und Duduk geben das melodische Rüstzeug, während die Gitarren und Perkussionsinstrumente für den Groove sorgen. Zu den 14 Titeln auf der CD gesellen sich Kooperationen mit der elektrisierenden Gangbé Brass Band aus Benin, sowie künstlerische Allianzen mit dem Kronos-Quartett, sowie der US amerikanischen Vokalistin Natalie Merchant. Vier Jahre hat es bis zu Cicada , gedauert immer wieder wurden Ideen verworfen oder es fanden sich keine Termine für Kooperationen. So originell Bahamut auch war, trifft Cicada die Band auf einem spielerischen Niveau, das beim Debüt-Album nur angedeutet war. Hawaiigitarre, Cimbalom, Saiteninstrumente und auf Reisen der Band aufgenommene Sounds aus Indonesien, Slowenien, Amsterdam und Deutschland sowie in Schumans heimischen New Yorker Harlem gefundenen Klänge bereichern die Musik. Die Kraft einer echten Bläsergruppe ist etwas, was gewissermaßen die Bandsprache verwandelt hat. Und die dreistimmigen Harmonien sind sozusagen wie eine zweite Bläsergruppe. Die Band ist also größer, stärker, und hat in ihrer vielen vereinten Stimmen viel Power hinzugewonnen, da sie seit nunmehr vier Jahren in identischer Besetzung spielt. Unter den Tracks, auf denen Gastmusiker mitspielen, ist einer der Höhepunkte Child of a Blind Man , gemeinsam von Wade und der amerikanischen Schriftstellerin Elizabeth Gilbert komponiert und unter Mitwirkung von Natalie Merchant und der Gangbé Brass Band aufgenommen. Auf einer indonesischen Bergstraße geschrieben und über längere Zeit auf vier verschiedenen Kontinenten konstruiert, strotzt es vor Bildhaftem. Kind eines blinden Mannes, Hund hinter der Tür, Bienen in einer Blechdose, Nägel auf dem Boden , Augen auf der Autobahn, Schlüssel in einer Schale, Regen am Montag, verkohlte Knochen. Die Gangbe Brass Band steuert ihre eigenen Gesangs- und Bläserarrangements bei und die Melodie ist eine echte, aus tiefer musikalischer Verwandtschaft entstehenden Zusammenarbeit, die mit einer gemeinsamen Session im indonesischen Regenwald begann. Der Titelsong Cicada startet mittels eines gesprochenen Monologs, bevor er auf Improvisationskurs umschlägt und mit äthiopisch beeinflussten Polyrhythmen gepflastert wird auch wenn er am Ende ganz amerikanisch klingt. The Tide biegt von einer flotten Delta-Blues ab und ruft erst sudanesische Musik, dann Mocking Bird aus dem Herzen Amerikas hervor, am Anfang fast ruhig mit gospelhafter Harmonien. Langsam steigert sich der Song, drums werden intensiver, während Gitarre und Tuba die Hilflosigkeit der Schlaflosigkeit beklagen. 2:47 handelt ebenfalls von den Gedanken der stillen späten Stunden; in diesem Fall ist der Übeltäter jedoch kein Vogel, sondern ein abtrünniger Liebhaber dessen Rückkehr nach Hause weit überfällig ist. Außer den Schuman Originalkompositionen finden sich auf Cicada auch drei Cover-Versionen, die thematisch genau dort hinpassen. Louis Jordans Blues-Klagelied Buddy , Frederick Knights I ve Been Lonely for So Long , ein R&B aus dem Jahr 1972, sowie Irving Berlins Walking Stick . Diese Titel klingen aber ganz und gar nicht wie traditionell; die Seele von Hazmat Modine hat sie umgestaltet.