Auf Waiter: You Vultures! waren Portugal.the Man (mir) teilweise noch etwas zu schräg...auf dem Weg zu einem eigenen Stil, aber es fehlte noch etwas Drive. Auf Censored Colors gleiten sie neben Momenten echter Größe öfter mal in die Hippie-Beliebigkeit ab. Zwischen diesen beiden Alben markiert Church Mouth den vorläufigen Höhepunkt der außergewöhnlichen Band:
Es ist ein absolut grandioses Album. Extravagant, sehr eigen, innovativ, eckig, doch gleichzeitig sehr packend, druckvoll und zugänglich. Ein echtes Rock-Monster, aber eben der anderen Art.
Die Reise beginnt mit dem unglaublich starken Opener "Church Mouth"...frenetischer Gesang, verzwickte Lyrics und ein furioses Drum- und Gitarrenspiel treiben in einen Sturm, von dem man sich gerne herumwirbeln lässt um sich danach zu fragen, was man da jetzt eigentlich erlebt hat...und gleich auf Replay zu drücken.
Die nächsten beiden Lieder fallen im Vergleich dazu etwas ab, sind sehr guter Rock, aber mir doch etwas zu straight den 70ern verhaftet.
Doch von da an hält die CD ein wahres Feuerwerk an Tracks bereit, die auf geniale Weise Soulige-, Bluesige- und Hard Rock Traditionen kombinieren und mit überraschenden Part- und Rhythmuswechseln, kreativen Arrangements und expressivem Gesang eine ganz besondere Suppe kochen, wie sie nur Portugal.the Man zubereiten kann.
Die Bandbreite reicht dabei vom sehr melancholisch dahintreibenden My Mind zu den beinahe poppigen, ziemlich unverschnörkelten Shade und Dawn (in Shade höre ich sogar etwas Chili Peppers raus), über das raffiniert verschachtelte, mal elegante, mal sehr zupackende "Oh Lord" mit Soul-Einflüssen hin zum Soulig-bluesigen, aber dennoch brachial rockenden "Children", um mit "Sun Brother" in einer lupenreinen, ruhigen Ballade auszufaden.
Das Album lässt einem mit reichlich Glücksgefühlen zurück und dem Gefühl, gerade etwas wirklich großes erlebt zu haben. Portugal.the Man erlösen mit "Church Mouth" Rock daraus, einfache, lineare Tanzmucke oder verkopftes Gefrickel zu sein und geben ihm die Urfunktion der Musik als extatisches Tranceerlebnis zurück.