Es tut mir wirklich leid!
Ich muss leider gestehen, dass mich das Buch "Chucks" von Cornelia Travnicek weder berührt noch mitgenommen hat.
Es gehört zu den Büchern, die man in wenigen Stunden runterlesen kann, die man innerhalb von 2 Tagen weglegt und fast noch schneller vergisst.
Es tut mir deswegen so leid, weil ich denke, dass die Autorin mit der Erzählung aus dem Leben der jungen Punkerin Mae sicherlich aufklären, schockieren oder wenigstens berühren wollte. Vielleicht auch einfach Verständnis wecken, für die Jugend von heute, die Schulbildung in unserer Gesellschaft ablehnt und -obwohl hochintelligent und interessiert-, sich lieber auf die Strasse setzt, sich prostituiert, Drogen konsumiert und Häuser besetzt.
Trotz des lockeren, leichten Erzählstils, des Springesn von Thema zu Thema, von Vergangenheit in Gegenwart und zurück, was sicher auch eine Darstellung der Zerissenheit von Maes Gedanken darstellen soll, gab es auf keiner Seite auch nur annährend eine Sympathie, Spannung oder Aufflackern des Mitgefühls.
Mae ist eine junge Frau, die früh den Tod des krebskranken Bruders miterleben musste, in einer zerstrittenen Familie aufwuchs, vernachlässigt wurde und aussteigt.
Mit jeder Seite wird klar, dass Mae einfach unfähig ist, sich ihren eigenen Problemen zu stellen, die richtigen Lebensfragen zu stellen, die ihr selbst weiterhelfen würden, sondern dass sie mit nahezu blinder Gewissheit sich mit Absicht in das nächste Trauma begibt. Hilfe wird abgelehnt, nicht gesucht, alles Positive schlecht gemacht, man schwimmt in der Welle der Aussteiger und merkt gar nicht, dass man sich in deren Gesellschaft genauso anpasst, wie man es ja so gar nicht möchte.
Teilweise fand ich das Buch unerträglich, beispielsweise, die Schilderung des Einkaufs. Die netten Nachfragen an der Kasse wird als Kampf aufgefasst, nicht als Freundlichkeit oder Benimm, Mae steht sich auf jeder Seite, bei allen Aktivitäten selbst im Weg und merkt gar nicht, dass sie selbst sich die Wunden zufügt und nicht die Gesellschaft.
Ich lebe seit 30 Jahren in Berlin in einem Stadtbezirk, der phasenweise von der Polizei aufgegeben wurde. Ich habe während meiner aktiven Zeit des Arbeitens oft mit Hausbesetzern, Ausstiegern, Obdachlosen zu tun gehabt. Zur Zeit bin ich selbst "obdachlos", lebe in einem grossen Zimmer einer Pension und nicht auf der Strasse, denn "Hinfallen" kann jeder Mensch, egal, wie alt oder intelligent oder lebenserfahren man ist.
Der Trick ist, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, selbst zu bestimmen, welchen Weg man gehen möchte, denn da, wo ein Wille und ein Ziel ist, da gibt es auch Wege und mehr oder weniger Hilfe.
Sich auf die Strasse zu setzen und von anderen Menschen zu erwarten, das sie Verständnis haben und mitleidig Barmherzigkeit zeigen, damit zieht man sich selbst nur weiter runter, da muss man sich nicht wundern, wenn das Selbstbewusstsein auf Null fällt.
Ohne Abitur und offizieller Einschreibung an Vorlesungen der Uni teilzunehmen, das zeugt von höchster Feigheit, man muss sich den Prüfungen nicht stellen, kann aber frech Einwände in den Hörsaal brüllen.
Ich finde den Inhalt des Buches entsetzlich und kann nur jedem sagen: Das Leben auf der Strasse, das Sterben eines Aids-kranken ist wesentlich härter als hier dargestellt.
Man muss nicht mit der Gesellschaft konform gehen, aber auf Kosten gerade dieser Gesellschaft zu leben, die man so verdammt, das ist einfach nur lächerlich.
Schade, wirklich schade. Das Buch brachte nichts Neues, keine Erkenntnisse oder Lebensfazits, es war für mich eher ein lahmer Aufrüttelversuch, der mir aber eigenltich nur ein junges Mädel zeigte, die so komplett unfähig ist, mal über sich selbst zu reflektieren und sich selbst zu kritisieren und in diesem Sinne auch nicht wirklich intelligent ist.
Man kann also gern auf das Lesen des Buches verzichten, es sei denn man möchte ohne grossen Zeitaufwand die "Gelesen"-Statistik um ein Buch erweitern.